Wie Könige und Rockstars feiern – und was davon übrig bleibt
Leipzig. Manchmal ist die Frage, ob Kunst etwas sei oder weg es könne, nicht leicht zu beantworten. Wie etwa muss ein Fettfleck beschaffen sein, um nicht als Fettfleck behandelt zu werden, sondern als Hervorbringnis menschlichen Genies? Noch komplizierter ist es, zu trennen zwischen Artefakten, die im Umfeld Begnadeter Bedeutung erlangten – oder nicht. Woraus sich die weiterführende Frage ableiten lässt: Ist das Reliquie, oder kann das weg?
Hier immerhin lässt sich eine recht einfache Gleichung aufstellen: Je größer das Genie, desto unbedeutender kann sein, was seines Ruhmes teilhaftig wird. Was in letzter Konsequenz bedeutet, dass alles, wirklich alles, zur Reliquie taugt. Selbst Unrat. Drum haben die Macher der Ausstellung „The Rolling Stones – Unzipped“ im niederländischen Groningen für diese Schau nicht nur die erste Londoner WG der Stones nachgebaut. Sie haben sie auch mit Zigarettenkippen, Bierflaschen und allerlei anderem Beifang zugemüllt, der halt anfällt in einem Leben aus Sex und Drugs und Rock ’n’ Roll. Offenbar authentisch. Denn Mick Jagger selbst schaute vorbei und attestierte: Ja, so schlimm sah das damals bei uns aus.
Lesen Sie auch
- Promi Big Brother oder Die Demokratisierung des Ruhms
- Wie mopsfidele Mistkäfer gegen das Artensterben helfen
- Der Sprache ihr Tag – eine Glosse zum Tag der deutschen Sprache
Den entgegengesetzten Weg ging man in Aigai im nördlichen Griechenland. Dort wurden die Reste des Palastes von Philipp von Makedonien, sein Sohn Alexander wurde darin gekrönt und erhielt später den Beinamen „Der Große“, penibel vom Schutt befreit, um ihn nun der Öffentlichkeit zu übergeben. Warum man ihn nicht rekonstruierte und mit zeitgenössischen Orgienresten versah? Weil niemand weiß, war vor gut 2300 anfiel? Dann könnten Mick Jacker oder sein Band-Kollege Keith Richards helfen. Die Furchen jedenfalls, die die Zeit in ihre ausdrucksstarken Rock-Gesichter pflügte, legen den Verdacht nah: Sie waren dabei.