Tweet von Frauke Petry gefälscht?

RTL-Moderator unter Fake-Verdacht: Sender setzt Zusammenarbeit aus

Der RTL-Moderator Maurice Gajda.

Köln. Dem Moderator des RTL-Magazins „Explosiv“, Maurice Gajda (40), wird vorgeworfen, in einem Beitrag einen Tweet der früheren AfD-Parteivorsitzenden Frauke Petry (48) gefälscht zu haben. Der Kölner Sender zieht nun Konsequenzen und setzt die Zusammenarbeit mit Gajda vorerst aus, „bis die im Raum stehenden Vorwürfe geklärt sind“, erklärt eine RTL-Sprecherin auf Nachfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). Zuvor haben mehrere Medien berichtet.

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Es geht um einen Beitrag vom 5. August des Boulevardmagazins „Explosiv Weekend“. Gajda berichtete über den aus Vietnam stammenden Sänger Trong Hieu Nguyen, der beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2023 teilnahm. Der Moderator wollte von Nguyen und einigen seiner Freunde wissen, welche Reaktionen er auf seine Vorentscheidteilnahme erhalten habe.

In dem Zusammenhang las Gajda auch einen angeblichen Tweet von Frauke Petry vor. „Ich glaube, kein normaler Deutscher will einen rosa gefärbten Asiaten beim ESC sehen“, soll dieser gelautet haben. RTL blendete einen Nachbau des Tweets als Bauchbinde ein. Gajda fügte hinzu, dass der Tweet mittlerweile gelöscht worden sei.

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Frauke Petry: „Abmahnung ist unterwegs“

Petry schrieb in einer Nachricht bei dem Twitter-Nachfolger X, dass dieser Tweet von ihr nie existiert habe. „Wie man mit politisch unbequemen Personen umgeht, demonstriert RTL hier eindrucksvoll. Man denkt sich einen rassistischen Tweet aus, ein Grafiker setzt das um und fertig ist das Fake“, schrieb sie. In den Kommentaren ergänzte sie: „Abmahnung ist unterwegs.“ Auf Nachfrage eines Users betonte sie noch mal, dass der von Gajda vorgelesene und von RTL eingeblendete Tweet nie existiert habe.

Am Dienstag stellte sich RTL zunächst noch vor der Moderator. „Unser Reporter hat den Tweet im März gesehen und wortgetreu notiert. Er verbürgt sich dafür. Der Tweet wurde anschließend von Frauke Petry gelöscht, was wir im Beitrag auch erwähnt haben“, hieß es in einem ersten Statement bei X. Und weiter: „Die grafische Umsetzung im Design des Twitter-Profils von Frauke Petry verstößt allerdings gegen unsere journalistischen Guidelines. Dafür entschuldigen wir uns.“

Nur einen Tag später, am Mittwoch, folgte die Aussetzung der Zusammenarbeit mit Gajda. Den Verantwortlichen bei RTL gehe es darum, den Sender und seine journalistischen Einheiten, aber auch den Kollegen Maurice Gajda zu schützen, berichtete das Branchenmagazin „DWDL.de“.

RTL will journalistische Guidelines schärfen

Die Sendersprecherin erklärte gegenüber dem RND: „Wir arbeiten tagtäglich in einem engmaschigen und mehrstufigen Abnahmeprozess mit der Mindestanforderung eines Vieraugenprinzips. Der grafisch und fälschlich erstellte Tweet bot den verantwortlichen Sende-CvDs keinerlei Anhaltspunkt, um die journalistische Integrität infrage zu stellen. Wir werden unsere journalistischen Guidelines auch diesbezüglich nochmals schärfen.“

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Gegenüber „Übermedien“ teilte RTL außerdem mit, dass man für Beiträge genutzte Social-Media-Posts normalerweise durch Screenshots dokumentiere. Den Tweet von Frauke Petry habe sich Gajda aber nur „wortgetreu notiert“. Ein Redakteur des Mediums begab sich auf Spurensuche und beschrieb seine Ergebnisse in einem X‑Thread: Der angebliche Tweet von Petry sei nirgends zu finden. Es würden keine Screenshots kursieren, auch tauche der Tweet nicht in Onlinearchiven auf.

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Gajda zu Vorwurf: „Text aus dem Tweet rauskopiert“

Gegenüber „DWDL.de“ äußerte sich Maurice Gajda selbst zu dem Fake-Vorwurf. „Ein Freund aus der LGBTQ-Bewegung hat mir kurz nach der Veröffentlichung den Link zu diesem Post zugeschickt. Da ich meinen Augen kaum trauen konnte, habe ich den Text aus dem Tweet rauskopiert und mit Freunden darüber diskutiert. Kurze Zeit später wurde diese Nachricht wieder gelöscht und der Link, der heute noch besteht, führt ins Leere“, erklärte der Moderator dem Branchenmagazin. Gajda habe angekündigt, diesen Hergang in einer eidesstattlichen Versicherung bestätigen zu wollen.

Er entschuldigte sich allerdings noch: „Für den Fehler, diesen Tweet in meinem Beitrag vom 5. August 2023 ohne den Hinweis darauf grafisch nachzubauen, möchte ich aufrichtig um Entschuldigung bitten“, erklärte er gegenüber „DWDL.de“ weiter. „Meiner journalistischen Sorgfaltspflicht bin ich in diesem Fall nicht nachgekommen. Ganz unabhängig davon, wie diffamierend und beleidigend der Inhalt der Nachricht von Frauke Petry auch war.“

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In den sozialen Netzwerken wird heiß über den mutmaßlichen Fake-Vorfall diskutiert. Dabei kam auch ein Tweet von Frauke Petry zum ESC-Vorentscheid wieder ans Licht, den es definitiv gegeben hat. Zu der Band und dem späteren ESC-Teilnehmer Lord of the Lost schrieb sie damals: „Kann mir nicht vorstellen, dass normale Bürger von diesen pinken Herren ‚vertreten‘ werden wollen.“ Dieser klingt ähnlich wie der angebliche Tweet von Petry zu Trong Hieu Nguyen („Ich glaube, kein normaler Deutscher will einen rosa gefärbten Asiaten beim ESC sehen“).

Lord of the Lost antworteten damals: „Keine Sorge, Frauke, euch ‚normale Bürger‘ vertreten wir auch nicht. Haben wir nie, werden wir nie.“ Petry löschte ihren Tweet, doch der konnte in Onlinearchiven wiedergefunden werden, wie mehrere Medien berichten.

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