„Wir haben um jede Rebe gekämpft“: Weinlese in Sachsen geht zu Ende - Hilfe für Bauern
Leipzig. Die Weinlese im sächsischen Elbtal ist nach etwa sechs Wochen beendet. Nur 20 bis 30 Prozent einer normalen Ernte konnten dabei eingetragen werden - das liegt an den Folgen der Frostschäden im Frühjahr. Für das gesamte Anbaugebiet rechnet der Weinbauverband Sachsen mit etwa 800 Litern Ertrag.
Die Lese begann Ende August, zwei Wochen früher als üblich im Trend der Vorjahre. Wegen der unterschiedlichen Reife der Früchte und dem Wiederaustrieb nach Spätfrösten im April war sie zeitlich gestreckt. Ein zweiter Austrieb der Reben konnte die Frostschäden nur bedingt ausgleichen. „Wir haben um jede Rebe gekämpft“, sagte Martin Junge vom Sächsischen Staatsweingut Schloss Wackerbarth.
Gute Qualität bei geringem Ertrag
Die geringe Jahresernte hat laut Felix Hößelbarth, dem Vorsitzenden des Weinbauverbands Sachsen, jedoch auch etwas Gutes: „Die Rebstöcke strotzen vor Vitalität“. Dazu führten das gute Wetter und mehr Erholung, weil sie weniger Trauben produzieren mussten. So konnten die Rebstöcke in Stämme und Laubwand investieren, was laut Hößelbarth ideale Bedingungen für die Saison 2025 seien.
Auch Lieferengpässe beim Wein aus dem sächsischen Elbtal soll es nicht geben: Aufgrund der guten Ernte der beiden Vorjahre sei genug Wein auf Vorrat. „Wir sind lieferfähig“, betont Hößelbarth.
Finanzielle Hilfe für Wein- und Obstbauern
Die sächsischen Obst- und Weinbaubetriebe können ab sofort für ihre im April erlittenen Frostschäden Hilfen des Landes beantragen. Die Frist endet am 31. Dezember, die Antragstellung erfolgt online über das Förderportal der Sächsischen Aufbaubank, teilte das Agrarministerium mit. Für die Unterstützung stünden bis zu 22 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt bereit.
“Darüber hinaus hat die Europäische Kommission am 23. September angekündigt, die von den Frostschäden betroffenen Mitgliedsstaaten mit Soforthilfen aus der Agrarreserve zu unterstützen. Deutschland würde nach Verabschiedung einer entsprechenden Verordnung bis zu 46,5 Millionen Euro Unterstützung erhalten“, hieß es weiter. Der Vorschlag der EU-Kommission solle voraussichtlich an diesem Montag verabschiedet werden.
Agrarminister Günther: „Obst und Wein unverzichtbar“
Nach den Worten von Agrarminister Wolfram Günther (Grüne) braucht der Obst- und Weinbau in Sachsen eine stabile Perspektive. „Obst und Wein aus dem Freistaat sind strategisch unverzichtbar für unser Ziel, die regionale Wertschöpfung auszubauen. Unser Einsatz für die Branche hat dazu geführt, dass sich nun auch die EU mit zusätzlichem Geld beteiligt.“
Mildes Wetter zu Jahresanfang hatte Obstbäume und Weinreben zeitig austreiben lassen. Doch Mitte April kamen Nachtfröste; Triebe, Blüten und Knospen erfroren. Die Verbände der Obst- und Weinbauern bezifferten die Schäden auf insgesamt bis zu 100 Millionen Euro.
Je nach Lage und Rebsorte gingen bis zu 83 Prozent der diesjährigen Ernte verloren. Auch im nächsten Jahr rechnet der Weinbauverband Sachsen mit Einbußen von etwa 20 Prozent, die auf den unvorhergesehenen Frosteinbruch im April zurückzuführen sind.