Infektionsschutz

Sächsische Kommission empfiehlt neuen RSV-Impfstoff nur für Schwangere

Immer mehr Viren können mit Impfungen bekämpft werden. Jetzt gibt es das erste Vakzin gegen RSV.

Dresden/Leipzig. Eine Meldung lässt aufhorchen, die nach Hoffnung klingt. Die Europäische Arzneimittelagentur Ema hat zwei Impfstoffe gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) zugelassen. Experten der Sächsischen Impfkommission (Siko) halten sich mit einer breiten Empfehlung aber noch zurück.

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Kinderkliniken in ganz Deutschland hatten vor allem im vergangenen Winter unter massivem Druck gestanden. Heftige Infektwellen sorgten für volle Betten, die Teams arbeiteten am Anschlag. Auch pädiatrische Stationen in Sachsen waren stark betroffen. Ein wesentlicher Grund: Mädchen und Jungen mit schweren Verläufen nach einer RSV-Infektion.

Da könnten die Impfstoffe gerade recht kommen. Jedoch: Sie sind nicht für Kinder geeignet. Konkret geht es um die Vakzine Arexvy (Hersteller: Glaxo Smith Kline), das für Erwachsene ab 60 Jahren zugelassen ist, und Abrysvo (Pfizer) für Erwachsene ab 60 und Schwangere zwischen der 24. und 36. Woche.

Es handelt sich um Vertreter einer neuen Klasse von Protein-Impfstoffen: Gespritzt werden ausgewählte und künstlich erzeugte Proteine des Virus – teils zusammen mit einem Wirkverstärker. Das Immunsystem bildet dann Antikörper gegen diese Proteine.

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Keine allgemeine Empfehlung

Die Siko spricht keine allgemeine Impfempfehlung für die beiden Personengruppen aus – wohl aber für Schwangere, die sich in den Monaten September bis Januar (rund um die und in der RSV-Saison) in der 32. bis 36. Woche befinden.

In einem Positionspapier weist die Kommission darauf hin, dass kleine Kinder bis zwei Jahre stark von RSV betroffen sind. Klinikeinweisungen sind 30-mal häufiger – „bis hin zur Beatmung auf Intensivstationen“, wie Professor Michael Borte betont, Kinderarzt und Infektiologe am Immundefektzentrum des Klinikums St. Georg (IDCL) in Leipzig.

„Leider gibt es noch keinen Kinder-Impfstoff“, so Borte. Aber: Mit einer Immunisierung der Mutter könne diese Antikörper bilden und dann auf ihr Kind passiv übertragen.

Genau diesen Weg empfiehlt also die Siko. Aber wieso sollen ausgerechnet Schwangere den noch neuen Impfstoff erhalten? Borte verweist nicht nur auf die hohen Krankheitslasten bei Kleinstkindern, sondern auch auf die Zulassung sowie eine gute Studienlage. Die Sicherheit sei mit Blick auf diese Personengruppe besonders sorgfältig geprüft worden.

„Studien zeigen, dass die Impfung gerade in dieser Zeit der Schwangerschaft sehr sicher ist“, so der Mediziner. Auch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe rät Schwangeren zum RSV-Schutz ab der 32. Woche. 

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„Individuelle Entscheidung“

Gegen eine breite Anwendung in der Gruppe der über 60-Jährigen sprechen aus Sicht der Siko die epidemiologischen Daten: „Die Effektivität ist in dieser Personengruppe noch nicht in dem Bereich, den wir uns wünschen würden“, so Borte. Heißt: Die notwendige Zahl der geimpften Erwachsenen, mit der eine Infektion, eine Klinikeinweisung oder ein Todesfall wegen RSV vermieden werden könnte, ist sehr hoch. Laut Siko seien zwischen 1500 und 3500 geimpfte Menschen ab 60 Jahre nötig, um in dieser Personengruppe einen Krankheitsfall zu vermeiden. Zwischen 42 600 und 2,1 Millionen Geimpfte seien es zur Vermeidung eines Todesfalls. Bei der Impfung von Schwangeren liegt diese Zahl deutlich darunter – selbst bei Impfquoten von 25 Prozent.

Weil die Sächsische Impfkommission bei Impfempfehlungen stark auf solche Zahlen blickt, gibt es keine allgemeine Empfehlung für die Ü-60-Gruppe. Dennoch wird ein individueller Schutz aufgebaut: „Die Impfung ist sicher und wirkt“, betont Michael Borte. Deshalb sei sie bei bestimmten Risikofaktoren sinnvoll. Laut Siko kommen hier COPD, Chronische Herzinsuffizienz sowie Nierenerkrankungen und bestimmte Diabetes-Verläufe ebenso zum Tragen wie Immundefizite. „Das ist eine individuelle Entscheidung“, sagt Borte und empfiehlt eine Beratung beim Hausarzt.

„Die Impfung ist sicher und wirkt“: Professor Michael Borte, Kinderarzt und Infektiologe am Immundefektzentrum des Klinikums St. Georg in Leipzig.
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Überschaubare Nebenwirkungen

Studien belegen die Wirksamkeit. In der Untersuchung zu Arexvy erhielten knapp 12 500 Personen den Impfstoff und ebenso viele ein Placebo. Bei Abrysvo waren es jeweils knapp 18 500. Zu häufigen Nebenwirkungen zählen Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Muskel-, Kopf- sowie Gelenkschmerzen und Gelenksteifigkeit.

Bei Schwangeren zeigte sich laut Siko ein Trend zur Frühgeburtlichkeit. Dieser sei jedoch statistisch nicht signifikant und könne mit der Einschränkung des Impfzeitpunktes auf die 32. bis 36. Woche verringert werden.

In der Ü-60-Gruppe wurden für Arexvy und Abrysvo als schwerere Nebenwirkungen jeweils drei neurologische Erkrankungen erfasst – teilweise blieb ein kausaler Zusammenhang unklar. Bei beiden Impfstoffen trat in jeweils zehn Fällen Vorhofflimmern auf; allerdings litten darunter auch je vier Personen aus der Placebo-Gruppe. Und: Der überwiegende Teil der Betroffenen hatte damit schon vor der Impfung zu tun. Laut Siko ist wie bei allen neuen Impfstoffen die weitere laufende Kontrolle möglicher Nebenwirkungen nötig.

Siko: Corona-Auffrischungsimpfung für Immungeschwächte weiter sinnvoll

Die Sächsische Impfkommission (Siko) hat ihre Empfehlungen zur Corona-Impfung aktualisiert. Trotz der bereits vorhandenen hohen Immunität sei eine jährliche Auffrischungsimpfung mit jeweils an die Varianten angepassten Impfstoffen insbesondere für immungeschwächte Personen erforderlich, so die Siko.

Eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Bundes am Robert-Koch-Institut (RKI) wird erst Mitte des Jahres erwartet. Die kleinere sächsische Kommission ist meist etwas schneller. 

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Weil die gesetzlichen Krankenkassen aber nur die bundesweit empfohlenen Impfungen zahlen müssen, sollten Versicherte im Vorfeld nach der Kostenübernahme fragen. Die Antwort kann von Kasse zu Kasse unterschiedlich ausfallen. Für einen anhaltenden Schutz geht Infektiologe Borte künftig von regelmäßig erforderlichen Auffrischungsimpfungen aus.

Noch keine Impfung für Kinder in Sicht

Und wann kommen die Impfstoffe für Kinder? So genau kann das noch niemand sagen. „Es wird aber daran gearbeitet“, so Borte. Bis dahin stehen monoklonale Antikörper zur Verfügung – das Serum sollen aber nur bestimmte Risikogruppen erhalten. Nachteil: Es muss mehrfach gespritzt werden.

Die neuen Möglichkeiten zum RSV-Schutz sind auch Thema beim Sächsischen Impftag am 16. März in Leipzig.

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