Fördermittel vom Bund

Milliarden für neue Chipfabrik: Ökonomen zweifeln am Nutzen für Wirtschaft

Eine Wiese in einem Industriepark im Dresdner Stadtteil Klotzsche: Hier will der taiwanesische Chiphersteller TSMC eine neue Fabrik errichten. Fünf Milliarden Euro Förderung gibt es dafür vom Bund. Ökonomen zweifeln, ob das sinnvoll ist.

Dresden. Der Jubel in Wirtschaft und Politik war zwar groß, aber die Ansiedlung des taiwanesischen Chipherstellers TSMC in Dresden wird auch kritisch beäugt: Ökonomen zweifeln an, dass die 10 Milliarden Euro schwere Großinvestition den erhofften Effekt auf die regionale Wirtschaftskraft haben wird. Zumal sie mit fünf Milliarden Euro vom Bund subventioniert wird.

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„Wahrscheinlich werden sich die Hoffnungen, die die Politik mit den Subventionen verbindet, nicht erfüllen“, sagte Reint Gropp, Präsident vom Institut für Wirtschaftsforschung in Halle. Als Antwort auf Subventionen in anderen Ländern – insbesondere in den USA – „sind eigene Subventionen nicht unbedingt die richtige strategische Antwort“. Man sollte „eher die subventionierten Chips aus den USA kaufen als selbst zu subventionieren“. Gropp rechnet damit, dass der Einfluss von TSMC auf die lokale Wirtschaft eher klein sein werde, „da die meisten Vorprodukte und Zulieferer aus der ganzen Welt kommen werden und nicht unbedingt aus Sachsen“.

TSMC in Dresden: Ökonom sieht „Wette auf die Zukunft“

Auch Joachim Ragnitz, Vize-Chef des ifo-Instituts Dresden, äußerte sich auf Nachfrage zurückhaltend: Die Ansiedlung von TSMC sei zwar für Dresden „ein echter Glücksfall“ und werde den hiesigen Halbleiterstandort weiter stärken. „Die Investitionen wären aber wahrscheinlich auch so vorgenommen worden, weil es zumindest in Europa kaum einen anderen Standort gibt, der hierfür in Frage gekommen wäre“, sagte Ragnitz.

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Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, sieht in den geplanten Chipfabriken von Intel in Magdeburg und TSMC in Dresden „eine ungewisse Wette auf die Zukunft“. Die 15 Milliarden Euro, die der Staat an Unterstützung dafür gebe, würden sich nur rechnen, „ wenn diese beiden Investitionen einen Impuls für die gesamte regionale Wirtschaft geben und auch in anderen Branchen und bei Zulieferern Innovationen und neue Arbeitsplätze entstehen“, sagte Fratzscher dem „Tagesspiegel“.

Kretschmer: Förderung ist notwendig

Auch aus der Linksfraktion im sächsischen Landtag kam Kritik an der Milliardenförderung für TSMC: „Solche schwindelerregenden Ausgaben führen absehbar zu Kürzungen beim Sozialen und in der Bildung – es sei denn, der Staat darf wieder vernünftig Kredite aufnehmen“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher Nico Brünler: „Bisher geben im Bund wie im Land Politikerinnen und Politiker den Ton an, die offensichtlich dem Irrglauben anhängen, sie bekämen am Wahltag Stimmen als Lohn für einen ausgeglichenen Staatshaushalt.“ Brünler fragte, ob die Politik im Gegenzug Bedingungen gestellt habe: „Wird TSMC tarifgebunden sein?“

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) wehrte sich bereits nach der Bekanntgabe der Investition gegen Fragen, ob die Förderung für die Großansiedlung zu hoch ausfalle: Die fünf Milliarden „stünden in einem Kontext“, sagte er am Dienstag. Gerade im Bereich der Mikroelektronik hätte man es „nicht immer mit einem fairen internationalen Wettbewerb“ zu tun. „Deswegen ist diese Entscheidung notwendig. Sie ist auch unausweichlich, wenn wir die digitale Souveränität haben wollen, müssen wir die Produktion hier haben.“ Man müsse aber kritisch über die deutschen Standortfaktoren diskutieren.

Neues Werk soll 2027 fertiggestellt sein

Die neue Chip-Fabrik in Dresden soll bis 2027 fertiggestellt sein, der Spatenstich für das Projekt ist im kommenden Jahr geplant. 2000 Personen sollen in dem Werk arbeiten, rund 10 Prozent davon will das taiwanesische Unternehmen aus Asien mitbringen. Die Landespolitik rechnet zudem damit, dass weitere 8000 Arbeitsplätze bei Zulieferern in der Region entstehen könnten. Das neue Werk wird ein sogenanntes Joint Venture: Auch die Chipunternehmen Bosch, Infineon und NXP werden sich mit jeweils 10 Prozent daran beteiligen.

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Um den Fachkräftebedarf in Dresden zu decken, wird der Freistaat Sachsen ein Ausbildungszentrum in Sachsen eröffnen. Es soll jährlich 700 bis 1000 Personen für die Chipfertigung spezialisieren. Der erste Ausbildungsjahrgang soll frühestens 2026 starten.

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