Warum dieser beliebte US-Touri-Ort bisher keine Adressen hat
Die idyllische US-Küstenstadt Carmel-by-the-Sea in Kalifornien hat einiges zu bieten: malerische Strände, charmante Häuser, kleine Gassen und eine lebendige Kunstszene. Wo du die schönsten Orte findest, ist allerdings schwierig zu erklären, denn die Straßen haben keine Adressen.
Wo ist das nächste Geschäft oder Restaurant? Wie komme ich am schnellsten vom Hotel oder der Ferienwohnung zum Strand? Wer Einheimische fragt, bekommt dann nahe gelegene Orientierungspunkte beschrieben, berichtet der „Independent“. Zum Beispiel die Farbe oder den Stil eines Hauses, die Lage eines Hydranten oder von Zypressen im Verhältnis zur nächsten Querstraße. Viele Häuser haben zur Orientierung Schilder mit skurrilen Namen wie Neverland, Dreamcatcher und Pinch Me oder Beschreibungen wie „San Antonio 3 SE of 9th“.
Warum Carmel-by-the-Sea keine Adressen hat
Was irgendwie ulkig klingt, hat auch Nachteile. Das US-Postamt ist das einzige Gebäude mit einer offiziellen Adresse. Von dort müssen sich die Einwohnerinnen und Einwohner ihre Post abholen, eine Postzustellung gibt es nicht. Online- oder Essensbestellungen werden oft an das falsche Haus geliefert. Rettungskräfte haben es vor allem nachts schwer, das richtige Haus zu finden. Außerdem wird normalerweise eine Adresse benötigt, um einen Wasser-, Strom- oder Kabelanschluss zu bekommen sowie Rechtsdokumente zu erhalten. Lange Diskussionen mit Ämtern und weitere Unannehmlichkeiten sind die Folge.
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Während einige Menschen in dem Ort das als weniger schlimm erachten, kämpfen andere um eine Veränderung. Bereits seit der Gründung von Carmel-by-the-Sea vor über 100 Jahren sorgt die Frage der Straßenadressen für Kontroversen. Zwar erließ die Stadtverwaltung 1926 eine Verordnung, die eine Nummerierung der Häuser vorschrieb. Doch viele Bewohner und Bewohnerinnen wehrten sich dagegen, um den Charme und die Kultur des Ortes zu erhalten.
Damals lenkte die Stadt ein und erließ strenge Bauvorschriften im Sinne des einzigartigen architektonischen Stils der Stadt. Demnach sind an den Wohnstraßen unter anderem Straßenlaternen, Neonschilder, Hochhäuser, Briefkästen und auch Straßenadressen verboten. Alteingesessene ziehen diese Argumente weiterhin heran, wenn Proteste laut werden.
Bekommt Carmel-by-the-Sea bald Hausnummern?
Nun sprachen sich allerdings Vertreter der örtlichen Polizei und Feuerwehr für die Angabe von Hausnummern aus. Sie wiesen darauf hin, dass das Fehlen von Hausnummern einen Verstoß gegen Brandschutz- und Bauvorschriften darstelle. Das Stadtpersonal wurde angewiesen, einen Nummerierungsplan zu entwickeln, der vom US-Postdienst genehmigt werden muss.
Ob Carmel-by-the-Sea bald wirklich wenigstens Hausnummern bekommt, hängt auch von neuen Wahlen im November 2024 ab. Dann wählen die rund 3220 Bürgerinnen und Bürger der Kleinstadt einen neuen Bürgermeister und Stadtrat, beide müssen dann über die Zukunft des Ortes und ob es Adressen geben soll, entscheiden.
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