Musiala vor der Rückkehr: Was das für den FC Bayern bedeutet
München. Die Freude war riesig. Von Jamal Musiala, für Jamal Musiala und mit Jamal Musiala. „Jamal is back!“ Und damit es alle am Trainingsplatz eins an der Säbener Straße nach dem Gang aus der Kabine hören konnten, rief sein Kumpel und Teamkollege Alphonso Davies noch einmal laut aus: „Jamal is back!“
Musiala ist zurück, konnte eine Woche vor Weihnachten Teile des Mannschaftstrainings wieder aufnehmen. Noch ohne Zweikämpfe, ganz vorsichtig. Nur nichts überstürzen. Der 22-Jährige bekam das Grinsen gar nicht mehr aus seinem Gesicht. Auf diesen Tag, auf diesen Moment hatte er über Monate hingearbeitet.
Er hat eine schwere Zeit hinter sich gebracht. Es gehört schon etwas dazu, sich so lange immer wieder zu motivieren.
Jan-Christian Dreesen, Vorstandschef des FC Bbayern
Am 5. Juli hatte sich der Spielmacher bei der Klub-WM in den USA schwer verletzt. Im Viertelfinale gegen Paris Saint-Germain (0:2) war der damalige PSG-Torwart Gianluigi Donnarumma mit Schwung auf Musiala gehechtet - mit bösen Folgen für die Münchner. Der Bayern-Profi schrie vor Schmerzen auf, die Mitspieler schlugen sich die Hände vors Gesicht. Die Diagnose: Eine Sprunggelenksluxation sowie eine Fraktur des Wadenbeins.
164 Tage zwischen Verletzung und Rückkehr ins Mannschaftstraining
Die ersten Einheiten mit den Mitspielern seien „einfach schön vom Gefühl her - für die Mannschaft und für ihn“, meinte Trainer Vincent Kompany. Vorstandschef Jan-Christian Dreesen lobte Musiala für sein Durchhaltevermögen: „Er hat eine schwere Zeit hinter sich gebracht. Es gehört schon etwas dazu, sich so lange immer wieder zu motivieren.“ 164 Tage vergingen seit dem Schock von Atlanta bis zum ersten Reinschnuppern im Training.
Ab Januar rückt Musialas Comeback noch mehr in den Fokus. Ohne Druck aufbauen zu wollen, meinte Kompany: „Dann sollen seine ersten Spielminuten folgen. Das wäre ein Idealplan für uns.“ Geht alles gut, könnte Musiala sein erstes Pflichtspiel im neuen Jahr am 11. Januar beim Liga-Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg bestreiten.
Musiala und sein Spiel, seine Übersicht, seine Vorlagen, seine Steckpässe, seine Dribblings, seine Torabschlüsse – all das wird sehnsüchtig erwartet. Nicht zuletzt von Harry Kane, dem Mittelstürmer. „Es ist schön, dass Jamal zurück ist. Noch vor seiner ersten Verletzung zum Ende der vergangenen Saison habe ich oft darüber nachgedacht, dass er der beste Spieler ist, den wir im Team haben“, meinte Kane kürzlich. Um dann die Bayern, den souveränen Tabellenführer, noch besser, noch torgefährlicher zu machen?
Musiala oder Karl? Kompany ist gefragt
Musialas Comeback rückt näher – und damit auch ein Luxusproblem für die Bayern und insbesondere Chefcoach Kompany: Wohin mit Musiala? Oder muss man es angesichts der Klasse des Spielmachers, der auch in der Nationalmannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann fest für die WM 2026 in Nordamerika eingeplant ist, eher so formulieren: Wohin mit Shootingstar Lennart Karl, der zuletzt so überzeugt hat auf der zentralen Position?
Jamal is back!
Bayern-Spieler Alphonso Davies, als Jamal Musiala ins Training zurückkehrte
Plötzlich hat Kompany ein Überangebot an Spielern mit Esprit und Fantasie, mit dem Gefühl für Vorlagen und Tore. Auch der flexible Serge Gnabry kann auf der Zehn spielen. Auf den Außen sind Michael Olise (rechts) und Luis Díaz (links) gesetzt. Intern setzt man darauf, dass Kompany dieses Luxusproblem wie sonst auch locker handhabt und perfekt moderiert. Mit Zuspruch und Rotation.
Die Ausgangslage: Karl, der 17-Jährige, ist zwar der „Rising Star“, aber weiter der Herausforderer. Macht er sich weiterhin unverzichtbar durch sein freches und erfolgreiches Spiel, ist er auch unverzichtbar. Routinier Gnabry kämpft um die Verlängerung seines Vertrags, der im Sommer ausläuft. Trainer Kompany und die Bosse wissen um seine Loyalität. Teamplayer Gnabry kommt, ohne zu murren, auch mal von der Bank.
Ein gutes Umfeld für Musiala, um in Ruhe, ohne Druck, wieder in den Rhythmus zu kommen. Von ihm wird nicht erwartet, gleich Bäume auszureißen und das Offensivspiel seines Teams sofort wieder zu tragen.
Und so wird aus dem Luxusproblem um Musiala eine Win-win-Situation für alle. Für Kompany. Und für die Bayern.