Im 150. Pflichtspiel unter Trainer Jagatic feiert Chemie einen 3:2-Sieg an der Ostsee
Rostock. Wie schafft man es, 1000 Menschen am Sonntag mitten in der Nacht, gegen 4 Uhr, ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern? Ein halbwegs pünktlich einlaufender Sonderzug im Leipziger Hauptbahnhof reichte dafür völlig aus. Die Chemie-Anhänger hatten für das erste Spiel in Rostock seit 2009, damals noch als FC Sachsen, einen eigenen Zug gechartert. Elf Stunden später waren die Chemie-Fans so richtig happy, denn ihre Lieblinge auf dem Platz sorgten erstmals seit 8. Oktober wieder für einen Regionalliga-Auswärtssieg. Zum 3:2 (1:1) in Rostock gegen Hansa II trafen Florian Kirstein doppelt und Siegtorschütze Janik Mäder. Dabei hatte Chemie in Hälfte zwei vor 2600 Zuschauern einen 1:2-Rückstand gedreht. Die Hansa-Fans waren minimal in Überzahl, Chemie zählte 1200 grün-weiße Anhänger.
Die fast fünfeinhalbstündige Fahrt verlief anschließend unspektakulär, viele Diskussionen drehten sich - vom Discowagen und dem abgedunkelten Ruheabteil abgesehen - um das bevorstehende Spiel gegen den Tabellenletzten. Viele Fans waren sich einig, dass die erste Reise in die Hansestadt seit 15 Jahren mit einem Erfolg enden müsste, um endlich wieder einen vollen Erfolg verbuchen zu können. Immerhin war die Elf von Miro Jagatic seit November 2023 sieglos in der Liga geblieben.
Schwere Aufgabe wegen der Sperren für Brügmann und Horschig
Die Aufgabe wurde durch die jeweils fünfte gelbe Karte für Florian Brügmann und Paul Horschig nicht einfacher, auch Manu Wajer hütete noch immer das Bett nach einem Infekt. Vin Kastull ersetzte Horschig, Elias Oke Brügmann. Zudem rückten Janik Mäder und Marcel Hilßner in die Startelf, Irfan Brando und Denis Jäpel mussten weichen.
Die Youngster von Hansa begannen bei nasskaltem stürmischen Wetter selbstbewusst. Vin Kastull rettete gleich nach zwei Minuten in höchster Not gegen Julian Albrecht. Die erste Viertelstunde gehörte den Gastgebern, dann tauten die Weitgereisten aus Leipzig langsam auf. Florian Kirstein hatte nach 14 Minuten die Riesenchance, scheiterte aber an Torwart Max Hagemoser. Zwei Minuten später machte er es besser, als er einen mustergültigen Angriff über Hilßner, Surek und Mäder per Abstauber mit dem Führungstreffer abschloss.
Ein munteres Spielchen entwickelte sich und wärmte die Fans wenigstens ein klein wenig bei echtem „Schietwetter“ auf. Julian Albrecht tauchte allein vor Torwart Benny Bellot auf,, der schon überwunden war - Philipp Wendt rauschte heran und rettete auf der Linie (24.). Über die rechte Seite von Chemie kamen die Hanseaten immer wieder gefährlich auf und bedrohten das Leipziger Tor. Den Ausgleich in der 32. Minute indes verschuldeten die Leutzscher höchstselbst. Philipp Harant patzte im Aufbauspiel, Albrecht spritzte dazwischen, Bellot hielt noch, doch gegen den Nachschuss von Simon Rhein war kein Kraut gewachsen. Der Ausgleich, 1:1, Führung dahin.
Vermeintlicher Ausgleich zum 3:3 zählt nicht
Bis zur Halbzeit hatte jedes Team noch eine Gelegenheit zur Führung, Cemal Kaymaz und Patrick Amougu verfehlten aber jeweils das Tor. Halbzeit zwei bot ein Wechselbad der Gefühle. Zunächst gingen die Hausherren wieder in Führung. Ein Steilpass auf Albrecht hebelte die gesamte Abwehr aus, der beste Mann der Rostocker vollendete mühelos (48.). Das stachelte die Chemiker gewaltig an. Die Hilßner und Co gingen nun entschlossener und zielstrebiger zu Werke, arbeiteten sich förmlich ins Spiel und spielten sich Chancen heraus.
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Als am Strafraumeck ein Freistoß gepfiffen wurde, legte sich Dennis Mast den Ball zurecht. Seine Eingabe landete im Rostocker Tor. Kirstein drehte jubelnd ab – er bekam den Treffer zugesprochen (zunächst war ein Eigentor vermeldet worden). Egal, es stand 2:2 (55.). Oke,Hilßner, Kaymaz - sie alle hatten den nächsten Treffer auf Kopf bzw. Fuß. Der nächste geniale Pass von Hilßner aber saß: sein Anspiel erreichte Mäder, der Maß nahm und ins untere linke Eck traf. Die verdiente Führung in der 63. Minute!
Zwei Minuten später schwächte sich Hansa selber, als Arbnor Aniur zu stürmisch in Kaymaz ging und dafür glatt Rot sah. Wer nun gemeint hatte, dass Chemie scharf nachwaschen und den Sack zumachen würde, sah sich getäuscht. Die Grün-Weißen quälten sich über die restliche Zeit. Hansa erzielte sogar noch den vermeintlichen Ausgleich. Doch der Treffer wurde wegen einer Attacke auf Chemie-Keeper Benjamin Bellot nicht gegeben. Die Grün-Weißen überstanden auch die vierminütige Nachspielzeit und feierten in der Kurve mit ihren rund 1200 Begleitern.
Chemie Leipzig: Bellot - Kastull, Harant, Wendt - Oke, Mast, Kaymaz, Surek - Hilßner (79. Brando), Kirstein (72. Jäpel), Mäder (85. Gildenberg). Zuschauer: 2600. Tore: 0:1 Kirstein (16.), 1:1 Rhein (33.), 2:1 Albrecht (48.), 2:2 Kirstein (55.), 2:3 Mäder (63.)