„Haben nichts zu verlieren“: FC Eilenburg fährt mit Rückenwind nach Erfurt
Eilenburg. Es gab Zeiten, da trennten die Fußballvereine Eilenburg und Erfurt Lichtjahre. Während der FCE in der Landes- und Oberliga Duftmarken setzte, waren die Thüringer Stammgast in der 3. Liga, spielten – wenn auch nur für eine Saison (2004/05) – sogar in der 2. Bundesliga im Schnitt vor 11.000 Zuschauern. Nach der Insolvenz und dem Sturz in die Oberliga hat sich Erfurt berappelt – auch dank des Einstiegs von Franz und Fabian Gerber. Beide führten Erfurt zurück in die Regionalliga, dort steckt der Verein nun fest und ist aktuell bestenfalls noch Mittelmaß. Die Profis von RWE haben seit vier Spielen nicht gewonnen und sich zuletzt beim 1:4 in Überzahl beim ZFC Meuselwitz blamiert. „Man kann verlieren, aber die Art und Weise ist entscheidend. Mit der gezeigten Leistung bin ich sehr unzufrieden“, sagte Trainer Fabian Gerber nach dem verkorksten Auftritt.
Aus Sicht der Eilenburger kam die Niederlage zur Unzeit. Erfurt wird sich am Freitagabend (19 Uhr) im Steigerwaldstadion vor den Heim-Fans rehabilitieren und von einer anderen Seite zeigen wollen. „Wir haben nichts zu verlieren, wollen ein gutes Spiel machen, aber vieles wird Erfurt bestimmen“, glaubt Eilenburgs Cheftrainer Sascha Prüfer, der das Duell am Freitagabend ein bisschen mit dem von Real Madrid gegen RB Leipzig vergleicht. Die „Königlichen“ waren der Top-Favorit, die Leipziger der unangenehme Gegner. RB half das Remis am Mittwochabend nach einem starken Auftritt nicht, Prüfer indes wäre glücklich, wenn es Nachts auf der Autobahn mit einem Punkt im Gepäck in die Heimat geht.
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Kapitän am Freitag noch nicht wieder an Bord
Einen Punkt gab es für den FCE übrigens im Hinspiel. Beim 0:0 im Ilburg-Stadion zog die „Katze von Eilenburg“, Andreas Naumann, den Thüringern den Zahn. Aktuell kämpft der 31-Jährige um sein Comeback im Tor. Im Training steht er schon zwischen den Pfosten. Ein Einsatz in Erfurt ist laut Trainer Sascha Prüfer noch ausgeschlossen, aber im nächsten Heimspiel, dem so wichtigen Kellerduell gegen Hansa Rostock U23 (16. März, 13 Uhr), könnte Naumann zwischen die Pfosten zurückkehren. „Das ist absolut realistisch“, sagt Prüfer, der von seinem Kapitän schwärmt: „Andi ist positiv ungeduldig und fiebert seiner Rückkehr ins Tor entgegen. Er hat keinerlei Probleme mehr“, so der Coach.
Naumann hatte sich Ende November bei einem Zusammenprall gegen Meuselwitz das Schlüsselbein gebrochen und war operiert worden. Vertreten wurde er von Janne Kamenz und Winter-Neuzugang Luca Bendel, die sich „beide“, so Prüfer, „keinen besseren Mentor als Andi wünschen können“. Naumann ist nicht nur die Nummer 1, sondern koordiniert auch das Torwarttraining. „Das klappt wunderbar. Die Torhüter sind ein eingeschworener Haufen“, lobt Prüfer, der am Freitag wieder vollstes Vertrauen in Luca Bendel hat: „Er wurde ins kalte Wasser geworfen und hat das sehr ordentlich gemacht“, so Prüfer, der einmal mehr personelle Luxusprobleme hat. Weil die Mittelfeldspieler Anton Rücker und Noah Baumann, die beim 2:1-Sieg gegen Viktoria Berlin ihre Gelbsperren abbrummten, zurückkehren, werden zwei andere Spieler ihren Platz im Kader verlieren und in Erfurt nur auf der Tribüne setzen.
Trotz des Sieges zuletzt wird Prüfer wohl rotieren. „Never change a winning team“ sei zwar gut, sagt der Coach, funktioniere aber nicht immer. „In Erfurt werden wir schnelle Beine brauchen und einige Spieler haben in der Englischen Woche schon Körner gelassen.“