Fan-Rekord knapp überboten

Doppelpack von Lena Oberdorf: RB Leipzig verliert Rekordspiel gegen FC Bayern

Die Doppeltorschützin Lena Oberdorf (r.) im Duell mit Leipzigs Delice Boboy.

Leipzig. Es gibt sie, diese Spiele, in denen die Atmosphäre auf den Rängen der Red Bull Arena schlichtweg elektrisierend ist. Die heißen Kämpfe, wo das Feuer der Fans die Spieler auf dem Rasen noch weiter anheizt. Am Sonntagmittag verhinderten der Spielverlauf und zahlreiche leere Plätze jedoch die ganz große Euphorie. Ein Höhepunkt war das 0:3 (0:1) der Frauen von RB Leipzig gegen FC Bayern München dennoch - denn 10.287 Fans hatten in der Messestadt noch nie zuvor ein Spiel im Frauenfußball verfolgt.

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Ein weiteres Highlight, vor allem für die Fans, die es nicht mit den Leipzigerinnen halten: Seit dem Auftaktmatch gegen Leverkusen ist beim FC Bayern auch Nationalspielerin Lena Oberdorf zurück auf dem Rasen. Nicht nur deshalb las sich die Aufstellung der Münchenerinnen wie das Who’s Who der Bundesliga. Klara Bühl, Pernille Harder, Georgia Stanway, Carolin Simon sind nur ein paar der großen Namen.

Lena Oberdorf trifft früh per Kopf

Oberdorf über ihre Startelf-Rückkehr und die ersten Treffer: „Das ist schon was Besonderes, ich war auch ein bisschen nervöser als sonst. Auf diese Sachen arbeitet man hin - Pflichtspiel-Debüt, dann Startelf-Debüt. Das sind kleine Meilensteine, denen man nacheifert. Und die jetzt erreicht zu haben, ist natürlich extrem schön."

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Rein ins Match: In der 8. Minute musste Schlussfrau Elvira Herzog erstmals eingreifen, klärte den Ball gegen die anstürmende Pernille Harder ins Toraus. Die Ecke brachte die erste echte Chance für die Gäste - und die nutzte eben jene Oberdorf direkt. Die Abwehrspielerin stieg im Rückwärtsgang in die Luft, köpfte an Herzog vorbei in die Maschen. Ein früher Dämpfer für die Sächsinnen, die eigentlich ein ganz anderes Gesicht zeigen wollten.

Odebrecht kritisiert: „Sehr mutlos von uns“

Es müsse alles stimmen, jede Spielerin alles reinwerfen, die gesamte Elf zu jedem Zeitpunkt wachsam sein, um eine Chance auf den Sieg zu haben, hatte Cheftrainer Jonas Stephan eine halbe Stunde vor dem Anpfiff den Fans erklärt. Eben diese Achtsamkeit fehlte in der 9. Spielminute - war fortan in der Dreier- bzw. Fünferkette aber wieder sichtbar. Was allerdings selten bis nie zu sehen war: Mut im Spiel mit dem Ball. Dabei hatte sich der Coach auch das im Vorfeld von seinem Team ausdrücklich gewünscht.

Abteilungsleiterin Viola Odebrecht kritisierte später: „Also generell fand ich es sehr, sehr mutlos von uns. Ich hätte mir gewünscht, dass die ein oder andere da ein Stück weit mutiger aufdribbelt. Ich finde grundsätzlich, dass man gegen München immer nur gewinnen kann, weil keiner einen Sieg erwartet.“ Dann legte die ehemalige Nationalspielerin noch einen drauf: „Wir haben uns von vornherein schon von der Körpersprache, den einzelnen Pässe, wie man in die Zweikämpfe gegangen ist, so hingestellt - so ein bisschen opferhaft.“

Coach Stephan: Nicht mutlos, aber ohne „letzte Überzeugung“

Statt mit Mut zu kombinieren, klärten die Leipzigerinnen oftmals mit langen, teils unpräzisen Bällen. Anders die Münchenerinnen, die durchgängig Druck ausübten, zwar selten zu den ganz großen Chancen kamen, aber das Spielgeschehen dennoch eindeutig bestimmten.

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RB-Cheftrainer Jonas Stephan sah das etwas weniger drastisch als seine Vorgesetzte: „Ich fand es insgesamt nicht mutlos. Da würde ich Viola widersprechen. Wir hatten aber Situationen, wo wir das Eins-gegen-eins klarer ziehen können. Auch offensiv, wo wir die Flanke dann wirklich mit vollster Überzeugung vor das Tor bringen können.“ Statt es mutlos zu nennen, wählt Stephan diplomatischere Wort: „Vielleicht hat dann so die letzte Überzeugung in manchen Momenten gefehlt, um nochmal einen Torschuss mehr zu holen.“

Nationalspieler David Raum spricht in der Halbzeit

Symbolisch eine Szene in der 39. Minute: Marlene Müller fängt in der gegnerischen Hälfte einen Querpass ab, startet direkt in Richtung Tor durch. Weil zu diesem Zeitpunkt aber fast das gesamte RB-Team weit in der eigenen Hälfte verteidigen möchte, finden sich Müller und Delice Boboy in Unterzahl gegen vier Verteidigerinnen wieder, die ihre Chance sofort im Keim ersticken.

Mit 1:0 und 0,0 Torschüssen für die Gastgeberinnen ging es in die Pause. Männer-Kapitän David Raum schnappte sich das Mikrofon, lobte im Talk die gute Entwicklung des Frauen-Teams, das er seit einigen Jahren verfolge. Der Nationalspieler war längst nicht der einzige männliche Profi, der auf der Tribüne gesichtet wurde. Sie alle drückten zusammen mit Frauen-Abteilungsleiterin Viola Odebrecht die Daumen für zwei Tore in Hälfte zwei - treffen sollte allerdings nur noch die falsche Seite.

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Weil es den Bayern-Frauen durchaus schwerfiel, sich im Strafraum in gute Positionen zu bringen, zog Oberdorf in der 57. Minute aus gut 20 Metern ab. Herzog hechtete zwar in die Ecke, erreichte den Ball aber nicht mehr. Das 0:2 sorgte für Jubel bei den angereisten FCB-Fans und drückte mächtig auf die Stimmung der restlichen Zuschauerinnen und Zuschauer. Kleine Randnotiz zum Fan-Rekord: Insgesamt waren 18 Menschen mehr ins Stadion gekommen als noch 2023 gegen Wolfsburg.

Giovanna Hoffmann trifft nur die Latte

In der 73. Minute gelang den Leipzigerinnen ihr erster Torschuss, Marleen Schimmer hatte aus der Distanz abgezogen - kein Problem für Ena Mahmutovic. Sechs Minuten später sah das schon ganz anders aus, als ein Kopfball von Giovanna Hoffmann an die Latte knallte.

Mehr war in der etwas mutigeren Schlussphase für RB allerdings nicht mehr drin - und eröffnete den Münchenerinnen wieder mehr Möglichkeiten. Während ein Abschluss am Pfosten und einer knapp über dem Kasten landete, sollte erneut eine Ecke ein Tor bringen. Vannessa Gilles stand in der ersten Minute der Nachspielzeit genau richtig, lenkte den Ball ins lange Eck.

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