Offizielle Vorstellung in Salzburg

„Werde keinen Red-Bull-Club trainieren“: Die wichtigsten Aussagen von Jürgen Klopp

Jürgen Klopp redet bei seiner Vorstellung als neuer Head of Global Soccer im Red-Bull-Hangar-7 über viele Themen.

Salzburg. Leipzig, Salzburg, New York, Paris, Brasilien und Japan – hier soll Jürgen Klopp im Auftrag des Getränkekonzerns Red Bull künftig den Fußball entwickeln helfen, vor allem natürlich bei den von den Österreichern protegierten Clubs. Der neue Job des Fußballlehrers trägt den klangvollen Namen „Head of Global Soccer“.

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Was sich dahinter genau verbirgt, welche Vision der 57-Jährige zum Leben erwecken und wie er seine neue Tätigkeit ausgestalten will, verriet er erstmals am Dienstag. Im Rahmen einer Pressekonferenz mit mehreren hundert Journalistinnen und Journalisten stellte sich Klopp in Salzburg vor.

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Jürgen Klopp und Oliver Mintzlaff über...

...Anfangsschwierigkeiten:

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Oliver Mintzlaff: „Es war nicht einfach. In meinen Gedanken hatte ich das lange. Also habe ich Kontakt zu Jürgen aufgenommen. Am Anfang hatte ich nicht den Eindruck, dass er den Job machen wollen würde. Jürgen hat zugehört, war aber voll fokussiert auf seinen Job in Liverpool. Wir haben uns ein paar Mal getroffen. Als ich dachte, dass ich ihn überzeugen kann, verlängerte er in Liverpool. Das war natürlich eine große Enttäuschung. Es ging am Ende gar nicht so sehr um das Verhandeln. Sondern es ging darum, dass wir beide das Gefühl hatten: Das passt.“

Jürgen Klopp: „Ich habe vor sieben Monaten in Liverpool aufgehört. Es war eine bewusste Entscheidung. Ich habe gesagt, dass ich nicht mehr der richtige Mann für den Job bin. Ich habe aber nie gesagt, dass ich nie mehr arbeiten will. Viele von außen sagen, dass ich der richtige Mann für den Job bei Red Bull bin. Mir war wichtig, dass ich selber das in den vergangenen Tagen gespürt habe, dass ich etwas verändern und bewegen kann. Ich habe in über 1000 Spielen an der Seitenlinie gestanden. Und das waren nur die Pflichtspiele. Ich habe Tausende Pressekonferenzen gegeben. Ich wollte das nicht mehr machen. Ich wollte eine neue Möglichkeit. Und das hier ist diese Möglichkeit.“

…Erwartungen an die Zusammenarbeit:

Oliver Mintzlaff: „Das ist nicht wie bei einer Wunschliste, wo wir Dinge abhaken können. Wir wollen junge, hochtalentierte Spieler finden. Dass wir das können, haben wir in den vergangenen Jahren bewiesen. Wir machen die Spieler besser. Dann verlieren wir sie und fangen wieder von vorn an. Wir haben das gerade in Leipzig. Jürgen selbst hat mit Liverpool davon profitiert. Dass wir ihn nun bei uns haben, um junge Spieler von uns zu überzeugen, gibt uns zwei, drei, vier, Prozent mehr. Es geht nicht darum, das Tagesgeschäft zu leiten. Es geht nicht darum, die letzte Entscheidung zu treffen wie ein Trainer oder ein Geschäftsführer. Natürlich wollen wir gewinnen. Darum geht es am Ende im Profisport. Ich bin im vergangenen Jahr dafür kritisiert worden, dass ich gesagt habe, dass mir in Leipzig ein paar Prozent fehlen. Darüber habe ich mich sehr gewundert. Denn es geht ums Gewinnen. Aber Jürgen steht nicht jeden Tag an der Seitenlinie. Er hat eine andere Perspektive, kann Dinge anders betrachten. Es geht auch nicht nur um Fußball. Red Bull unterstützt über 800 Athletinnen und Athleten weltweit. Es geht darum, auch von anderen Sportarten zu lernen. Lernen und Zuhören, Jürgens Erfahrungen voll nutzen, das ist meine Erwartung.“

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Jürgen Klopp: „Wir müssen erkennbar werden. Wir sind in keiner Liga, in der wir spielen, der Favorit. Wir sind überall der Herausforderer. Das ist Teil meiner Karriere. Diese Situation hatte ich oft in meinen Clubs, und wir haben dann extrem hart gearbeitet. Wir wollen Dinge weiterentwickeln. Wir wollen so gut sein wie möglich, in jedem Club. Wir wollen mit jedem Club den nächsten Schritt machen. Der sieht bei jedem Club unterschiedlich aus. Natürlich werde ich anders mit Trainern zusammenarbeiten, als das andere vielleicht tun. Einfach, weil ich selbst in dieser Situation gewesen bin. Ich hoffe, dass Trainer acht, neun Jahre bei uns bleiben, weil sie denken, dass sie hier gut begleitet werden.“

Jürgen Klopp über...

...Dinge, die er weitergeben will: „Ich war nie der Typ, der losgegangen ist und Leuten gesagt hat, was sie machen sollen. Ich glaube, zum Führen gehört Zuhören. Das werde ich machen. Ich möchte meine Erfahrungen teilen. Ich möchte Leuten helfen, das Beste aus sich selbst rauszuholen. Ich möchte Leuten Flügel verleihen. Fußball funktioniert nicht überall gleich. Es gibt nicht den einen Plan, der überall funktioniert. Jeder Verein, jedes Land hat andere Voraussetzungen. Jeder Club hat eine andere Struktur. Ich denke trotzdem, dass es eine Sache gibt, die wir an alle rausgeben können: Gegenpressing ist keine Möglichkeit, es ist Gesetz. Das hat mich 25 Jahre lang begleitet. In gewisser Weise habe ich darauf meine Karriere aufgebaut.“

...Selbstwahrnehmung: „Ich war immer interessiert an Infrastruktur, an Spielkultur. Ich war bei meinen Clubs auch immer in diese Dinge involviert. Das ist nicht neu. Ich muss mich nicht mehr um das Tagesgeschäft kümmern. Ich sehe mich als Ratgeber. Und ein guter Ratgeber ist Teil einer Entscheidung, weil sein Rat angenommen und ernst genommen wurde. Ich bringe Erfahrung mit. Bei jedem Meeting in den vergangenen Tagen war ich der Älteste im Raum. Es ist ein sehr junges Team und ich bin offensichtlich tatsächlich der mit der meisten Erfahrung.“

„Wir müssen erkennbar werden.“

Jürgen Klopp, Head of Global Soccer bei Red Bull

...Druck: „Ich spüre keinen Druck. Ich stand in meiner Karriere oft unter Druck, habe aber nie Druck gespürt. Ich war am Sonntag in Leipzig. Wenn die nicht gewonnen hätten, wäre die Schlagzeile gewesen: ‚Klopp verliert sein erstes Spiel‘. Davon versuche ich, mich freizumachen. Es wird immer Schlagzeilen geben.“

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...Kritik an seiner Entscheidung für Red Bull: „Ich saß am Sonntag in Leipzig. Im Stadion waren rund 42.000 Leute. Und ich habe mich gefragt: Verdienen die etwa keinen guten Fußball? Und ich dachte: Natürlich verdienen sie es. Und das gilt auch in New York, in Japan und an den anderen Standorten. Wer entscheidet, was Menschen dürfen? Ich denke, die Region verdient guten Fußball. Wenn RB nicht dort wäre, wo würden die Leute hingehen. Würden sie alle nach Magdeburg fahren, in die 2. Bundesliga? Es gibt wichtigere Dinge als Fußball im Leben. Aber Fußball kann viel bewegen. Ich mag die Identifikation der Fans mit den Vereinen. Ich bin sowas wie Doktor Fußball. Und kein Doktor würde zu einem Patienten sagen: Du kommst aus dem falschen Ort. Dich behandle ich nicht.“

...Lernen von anderen Sportarten: „Zur Geschichte des Fußballs gehört ein Stück weit, dass der Fußball nie von anderen Sportarten lernen wollte. Zumindest galt das lange Zeit. Das hat sich inzwischen geändert. Wir müssen innovativ sein. In anderen Sportarten müssen die Athleten innerhalb von Sekunden liefern. Sie haben nur die eine Chance. Ich denke, dass der Fußball da viel lernen kann, auch wenn ich ehrlich gesagt noch nicht weiß, was genau und wie.“

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...Multi-Club-Ownership: „Ich denke nicht, dass das die einzige Möglichkeit ist, um Erfolg zu haben. In Deutschland gibt es kein Eigentümer-Modell. Trotzdem wird hier guter Fußball gespielt. Geld ist entscheidend im Fußball. Aber es ist immer Raum für bessere Entscheidungen und andere Modelle. In England gibt es viele Vereine mit viel Geld, trotzdem ist die Meisterschaft interessant.“

...die Trainerfrage: „Ich werde keinen Red-Bull-Club trainieren. Das ist eine klare Absprache. Ich werde keinen Trainer eines Red-Bull-Clubs ersetzen. Und ich hoffe, dass wir eine Struktur aufbauen können, in der sich diese Frage gar nicht erst stellt.“

...die Titelfähigkeit von Marco Rose in Leipzig und Sandro Schwarz in New York: „Sie sind gut genug, um Titel zu holen. Das hat aber nichts mit unserer Freundschaft zu tun. Beide waren meine Spieler in Mainz. In der Nacht, als wir in die erste Liga aufgestiegen sind, habe ich ihnen gesagt, sie werden einmal Trainer sein. Sie werden sich nicht mehr daran erinnern, weil sie betrunken waren. Aber es ist so gekommen. Unsere Freundschaft verschafft uns natürlich einen besseren gemeinsamen Start. Ich freue mich wirklich auf die Zusammenarbeit.“

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...seinen künftigen Arbeitsort: „Mein Büro ist, wo ich bin, oder wo Mario (Gomez, d. Red.) ist. Die Welt ist mein Büro. Ansonsten ist es in München.“

Auch Mario Gomez ist bei der Vorstellung von Jürgen Klopp in Salzburg dabei.

...Pläne mit Leipzigs Benjamin Sesko: „Dass er mehr Tore macht wie das am Sonntag, natürlich. Ich war sehr beeindruckt. Ich kannte ihn schon, als er in Salzburg gespielt hat. Ich habe damals schon gedacht: Wo bekommen die immer die Spieler her? Ich möchte nicht, dass das falsch verstanden wird: Ich stehe nicht auf dem Trainingsplatz. Ich muss auch Marco Rose nicht fragen, was er mit ihm machen will. Das weiß ich auch so. Er will ihm helfen, sich weiterzuentwickeln. Benjamin hat ein unglaubliches Potenzial.“

...Überlastung der Spieler durch immer mehr Wettbewerbe: „Entweder gibt es weniger Spiele oder größere Kader. Das sind die einzigen Lösungsmöglichkeiten. In englischen Wochen findet sonst ja schlicht kein Training statt.“

...Zeitdruck: „Ich weiß, das wird viele nerven, aber mit mir steht jetzt eine Person aus dem Fußball in der Verantwortung. Und als solche weiß ich, Entwicklungen im Fußball brauchen Zeit. Man bekommt sie selten im Fußball, aber es ist so.“

...über einen Anruf vom DFB für den Job des Bundestrainers: „Es gibt keine mündliche Vereinbarung mit Red Bull für diesen Fall. Ich habe nicht danach gefragt, Oliver Mintzlaff auch nicht. Wir haben aktuell den bestmöglichen Bundestrainer. Lange hatte kein Bundestrainer mehr einen derartigen Einfluss. Der deutsche Fußball war quasi nicht mehr existent. Er hat das innerhalb kürzester Zeit geändert. Ich hoffe, Julian Nagelsmann mag, was er macht, und macht das noch ganz lange.“

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