Kolumne „Dreierspitze“

Wurfgeschosse, Schmähung, Hass: Wo bleiben Stadion-Ansagen, wenn Haltung gefragt ist?

David Raum (li.) und Schiedsrichter Florian Badstübner wollen Xavi vom Kölner Fanblock fernhalten, nachdem Gegenstände in die Richtung des Torschützen geflogen waren.

Leipzig. Der FSV Mainz 05 empfing dereinst den FC Bayern München, Stadionsprecher-Unikum Klaus Hafner brachte die Aufstellung unters Volk. „Mit der Nummer 1 Manuel ...“ Es hallt kein „Neuer“, sondern ein „Arschloch!“ durchs Stadion der kleinen und noch nicht bis in alle Verästelungen feinen Nullfünfer. Hafner: „Ich habe hier die Aufstellung vorliegen, da heißt keiner Arschloch. Also bitte.“ Hat der ewige Klaus, der seinen ehrenamtlichen Job seit 1989 mit Humor und Schlagfertigkeit angereichert hat, das jetzt wirklich gesagt? Nach einem Moment des betretenen Schweigens brandet Applaus auf. Einer, der in Mainz zu einem bis heute wirkenden Umdenken geführt hat. Gäste werden in Mainz weder hofiert noch diffamiert.

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Nein, es hat eben nichts mit gesunder Härte und normaler Stadion-Rhetorik zu tun, wenn das Liedgut „Timo Werner ist ein H... sohn“ ewig unsanktioniert durch Fankurven geistert. Wer die Segnungen der Demokratie vors Loch schiebt, um widerlichen Gesängen, den Fadenkreuz- oder „Bullen Schlachten“-Bannern das Mäntelchen Meinungsfreiheit überzuhelfen, braucht professionelle Hilfe.

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Kölner Gesänge blieben ohne Konsequenzen

In Köln beim Spiel gegen RB Leipzig stimmten FC-Fans laut und vernehmlich „Wir hassen Ostdeutschland“-Rufe an. Die Rufe verhallten nicht etwa, weil der Stadionsprecher dazu aufgerufen hätte oder der Chor einem Stimmbruch anheimgefallen wäre. Sie, die hinterher reflexartig verschwindend geringe Minderheit getauft wurden (und dafür stimmlich ganz gut unterwegs war), hörten irgendwann auf damit.

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Irgendwann war jedoch ein paar Minuten zu spät. Was hätte ein Klaus Hafner, der 2012 vom DFB für Fairplay ausgezeichnet wurde und 2019 das Stadion-Mikro aus der Hand gelegt hat, in diesem angesagten Augenblick vor aller Welt gesagt? Möglicherweise hätte er im Duktus des ansteckenden rheinischen Frohsinns daran erinnert …

  • … dass Effzeh-Allzeit-Held Christoph Daum gebürtiger Zwickauer ist.
  • … dass Geißbock Hennes Ost-Verwandtschaft hat.
  • … dass Effzeh-Hauptsponsor Rewe in Leipzigs Zentrum ein Vorzeigeobjekt eröffnet hat, in dem fahrende Roboter den Weg weisen und Gratis-Südfrüchte im Bauchladen haben.
  • … dass in Leipzigs Mannschaft kein einziger Ostdeutscher kickt.
  • ... dass in Kölns Mannschaft mit Davie Selke, Benno Schmitz und Eric Martel drei ehemalige Leipziger spielen.

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Es gab keine Durchsage, keine Ansage, nichts. Wäre es nicht wunderbar gewesen, wenn inmitten der Schmähungen ein „Mer losse d’r Dom en Kölle, denn do jehööt hä hin. Eure Rufe gehören hier nicht hin!“ aus den Stadion-Lautsprecher geschlüpft wäre?

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Wo bleibt der oder die Mutige am Mikrofon, der/die unsäglichen Umtriebe vor Ort und Stelle als unsäglich benamst? Dazu müsste man „nur“ ein paar treffende Worte aneinanderreihen. Wenn alle zuhören. Bei „das Abbrennen von Pyro ist dringend zu unterlassen, sie gefährden sich und andere“ geht es doch auch.

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