EM-Aus für alle Leipziger Nationalspieler: So reagieren die Stars des SC DHfK
Leipzig. Eine solche Atmosphäre hatten selbst die größten Stars des Handballs selten zuvor erlebt. Vor zehntausenden Fans wurde in Deutschlands größten Arenen um jeden Ball gekämpft, präsentierten sich die Mannschaften in der Hauptrunde auf einem durchweg hohen Niveau. Für manche Teams ging es bis zuletzt um den Einzug in das Halbfinale der Europameisterschaft, für andere stand das Qualifikationsturnier für Olympia auf dem Spiel. Mittendrin im Kampf der europäischen Spitzenteams: Marko Mamic (Kroatien), Viggo Kristjansson (Island) und Kristian Saeveras (Norwegen) vom SC DHfK Leipzig.
Für die drei Nationalspieler ist nach der Hauptrunde nun Schluss. Enttäuscht, aber mit neuen Erfahrungen im Gepäck sind sie in die Messestadt zurückgekehrt. „Es war ein anstrengendes Turnier, vor allem in den letzten Matches habe ich viel gespielt. Das merke ich noch, bin ein bisschen müde“, verrät Kristjansson im Gespräch mit der LVZ. Bis nächsten Mittwoch darf sich das Trio noch von den Strapazen erholen, dann kehren sie voraussichtlich ins DHfK-Training zurück.
Falsche Hymne der Isländer: „Irgendwie lustig“
Kristjansson und seine Isländer standen am Ende punktgleich mit Ungarn und Österreich bei vier Zählern im Niemandsland der Gruppe I. Gegen Deutschland hatten sie ihr Match 24:26 verloren, konnten ihre beiden letzten Spiele gegen Kroatien (35:30) und Österreich (26:24) aber gewinnen. Ein Punkt hatte ihnen zum Einzug ins Halbfinale gefehlt. Woran hat’s gelegen? „Wir kamen als Mannschaft nie so richtig in den Rhythmus. Eigentlich haben wir einen super Kader, das Trainerteam ist auch gut. Ich weiß nicht so richtig, woran es gelegen hat – das müssen wir beim nächsten Treffen analysieren“, sagt der Rückraumspieler ganz offen. Ein Erklärungsansatz: Sie seien zu spät ins Turnier gekommen, hätten erst in der Hauptrunde ihre Probleme im Angriff in den Griff bekommen.
Doch obwohl die Enttäuschung tief sitzt, kann Kristjansson der EM auch Positives abgewinnen. „So ein Turnier werden wir so schnell nicht mehr erleben. Die Stimmung in den Hallen war richtig geil. In München waren etwa 4000 Isländer vor Ort, die uns angefeuert haben. In Köln ist die Stimmung sowieso überragend – die Lanxess Arena ist weltklasse!“ Hier mussten sich die Nordmänner auch dem Duell mit Gastgeber Deutschland stellen und einen peinlichen Patzer des DJs über sich ergehen lassen, der die falsche Hymne abgespielt hatte. „Das war schon irgendwie lustig“, nimmt es der 30-Jährige gelassen: „Ich kenne den Hallen-DJ und den Hellen-Sprecher noch aus meiner Zeit in Stuttgart. Ich habe sofort gesehen, wie sehr die beiden deshalb im Stress waren – da haben sie mir dann doch etwas leidgetan.“ Am Ende aber alles kein Problem, die richtige Hymne wurde gefunden. „Kann passieren“, befindet Kristjansson.
Was eigentlich nicht passieren kann, war der 39:29-Auftaktsieg der Kroaten über Spanien. „Völlig verrückt“, sagt auch der kroatische Abwehrspezialist Marko Mamic, der sich letztlich mit dem letzten Platz der Gruppe I zufrieden geben musste. Mit drei Punkten landeten sie knapp hinter Österreich, Ungarn und Island. Beim 28:28 mit Österreich hatten sie sich die Punkte geteilt und Deutschland im letzten Duell der Gruppenphase 30:24 geschlagen.
Mamic über Deutschland-Match: „Fans haben uns mitgerissen“
„Wir wollten dieses letzte Spiel so gut es geht genießen“, erinnert Mamic das Duell mit dem Gastgeber: „Ab dem Einlaufen hat die Halle gebrannt, die Fans haben auch uns mitgerissen. Wir wussten, dass alle gegen uns sind – aber sie waren ja trotzdem für unser Spiel da, für unser Duell mit Deutschland. Wenn 19.000 Menschen für ein Spiel von dir brennen, ist das ein besonderes Gefühl.“ Das kann Mamic nun keiner mehr nehmen, die Erinnerung bleibt. Zufrieden ist der Rückraumspieler deshalb aber noch lange nicht.
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„Mit einem Sieg mehr würden wir im Halbfinale spielen. Die Gruppe war sehr umkämpft, das Niveau bei der EM sehr hoch“, bewertet der 29-Jährige, der nach einem Kreuzbandriss erst zum Saisonstart sein Comeback gegeben hatte: „Ich habe noch nicht so die große Rolle gespielt. Gegen Deutschland durfte ich aber etwas mehr spielen, das hat mich sehr gefreut. Es war für mich eine Ehre, dass ich dabei sein durfte – so wenige Monate nach meiner Verletzung.“
In der zweiten Hauptgruppe hatte Kristian Saeveras mit Norwegen ein verrücktes Turnier erlebt. Vor der EM galten die Nordmänner durchaus als ein Anwärter auf das Halbfinale, präsentierten allerdings sehr durchwachsene Leistungen. Mit vier Punkten belegten sie letztlich den vorletzten Platz, hatten ihre Zähler beim 35:32 gegen die Niederlande und am letzten Spieltag überraschend beim 33:23-Kantersieg gegen Halbfinalist Schweden geholt.