Kanuslalom

Warum die Slalom-WM 2027 für Markkleeberg in weite Ferne rückt

Die Europameisterschaft im Kanuslalom im Jahr 2015 ist schon lange her – eine zeitnahe Wiederholung einer so wichtigen Veranstaltung ist derzeit nicht realistisch.

Leipzig. Die Athletinnen und Athleten haben sich im Training bereits daran gewöhnt. Besucher des Kanuparks Markkleeberg sollten am Wochenende bei der WM-Qualifikation der deutschen Slalom-Elite nicht erschrecken: Das rauschende Wasser präsentiert sich derzeit als rotbraune Brühe und sieht zu Saisonbeginn nicht gerade einladend aus. Doch Frithjof Bergner, Chef des ausrichtenden Leipziger Kanuclubs (LKC) gibt Entwarnung: „Das Wasser ist einfach eisenhaltig, aber gesundheitlich unbedenklich.“

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Durch die Regenfälle seien viele Mineralien ausgeschwemmt worden und ins Zielbecken gelangt. Ein Frischwasser-Austausch mit dem Markkleeberger See werde im Laufe der Saison Besserung bringen. Sportlicher Höhepunkt sind die Deutschen Meisterschaften Ende September, wofür der LKC 20.000 Euro Betriebskosten in den Vereinshaushalt eingestellt hat und auf Zuschüsse hofft. Wichtig ist dem LKC-Vorsitzenden und seinem Team, dass endlich wieder Wettkämpfe im Kanupark stattfinden.

Freier Eintritt am Wochenende – schwierige Finanzierung regulärer Wettkämpfe

Zuletzt war die Weltelite mitten in der Pandemie zu Gast – Zuschauer waren beim Weltcup 2021 lediglich als Zaungäste dabei. Am Samstag und Sonntag haben Besucher hingegen freien Eintritt. Bergner hofft auf viele Spaziergänger und Schaulustige, die gerade bei den Finals zwischen 12 und 13 Uhr mit Weltmeisterin Andrea Herzog sowie ab 17 Uhr mit dem WM-Dritten Franz Anton (beide LKC) gern etwas länger die Leistungen der zahlreichen internationalen Medaillengewinner bestaunen sollen.

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Die wenigen Wettkämpfe in der jüngsten Vergangenheit hatten mit der schwierigen Finanzierung zu tun. An diesem Wochenende handelt es sich um eine interne Sichtung der deutschen Kaderathleten – da sind die Betriebskosten förderfähig, die Wasserzeiten kommen aus dem Kontingent der Nutzungsstunden für hiesige Leistungssportler. „Schwieriger wird es bei internationaler Beteiligung – dann funktioniert das so nicht.“

WM 2027 findet eher in Paris oder Tokio als in Markkleeberg statt

Im Oktober war die Euphorie nach den stimmungsvollen und erfolgreichen Welttitelkämpfen in Augsburg groß. Im sächsischen Sport und beim Leipziger KC überwog die Meinung: Eine solche WM müssten Leipzig und Markkleeberg auch hinbekommen. Konkret wurden die Weltmeisterschaften 2027 ins Auge gefasst, die ein Jahr vor den Olympischen Spielen als besonders lukrativ gelten. Doch ein halbes Jahr später sind die WM-Pläne vertagt worden.

„Es gibt viele Gespräche, aber wir haben den gordischen Knoten der Finanzierung noch nicht zerschlagen“, so Frithjof Bergner, der betont: „Eine Weltcup- oder WM-Woche kostet aufgrund der vielen Trainingszeiten für alle Nationen 180.000 Euro allein an Betriebskosten. Ein solches Wagnis können wir derzeit nicht eingehen, ohne als Ausrichter Existenzen aufs Spiel zu setzen.“

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Was die WM 2027 anbetrifft, wo die Startplätze für die Spiele in Los Angeles vergeben werden, zeichnet sich mit Tokio und Paris inzwischen starke Konkurrenz ab. „Die nachhaltige Nutzung von olympischen Wettkampfstätten hat für den Weltverband Priorität. Dort handelt es sich zwar auch um künstliche Strecken, die aber mit Atomstrom – also grünem Strom (nach EU-Recht; Red.) – betrieben werden“, so Bergner. Dagegen werde die Anlage in Markkleeberg mit Kohlestrom betrieben. Die Quintessenz: Überhaupt einen Weltcup auszurichten, sei für Leipzig und Markkleeberg bereits ein großer Erfolg und ein wichtiger Schritt Richtung WM-Bewerbung.

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Bergner und das Team vom Kanupark sind indes froh, dass die 2007 eröffnete Anlage am Markkleeberger See nach verspätetem Saisonstart inzwischen wieder Top-Bedingungen bietet. Im Februar und Anfang März sei das Training noch ausgefallen, weil sich an einigen Stellen die Bodendecke aufgrund des gestiegenen Grundwassers angehoben hatte. „Unsere Top-Kader haben derweil viel auf der Weißen Elster trainiert oder sind nach Prag gereist – und haben zum Saisonstart trotzdem eine ordentliche Form“, so Bergner, der auf einen Trainingswettkampf vergangene Woche in Markkleeberg verweist, wo auch die Technik erfolgreich getestet wurde.

Frithjof Bergner managt seit Jahren als Stützpunktleiter und Vereins-Chef die Geschicke des Kanuslaloms in Leipzig, diese Verzahnung habe viele Vorteile. Nun sucht der 62-Jährige mittelfristig einen Nachfolger im LKC, beim Gedankenaustausch unter dem Arbeitstitel „LKC 2.0“ bringen sich auch die Aushängeschilder Franz Anton und Jan Benzien ein. Bergner arbeitet an einem geordneten Übergang „Wir haben viele Talente, die Vorbildwirkung von Andrea Herzog und Franz Anton ist enorm.“

Top ausgebildete Trainer sind fast so rar wie super Köche in der Gaststätte

Auch die Trainersituation am Stützpunkt hat sich entwickelt. „Als ich vor 25 Jahren nach Leipzig kam, gab es zwei Hauptamtliche“, erinnert sich Ex-Weltmeister Jan Benzien. Inzwischen koordiniert Fritjhof Bergner sieben Trainer, die beim Bundesverband, Landesverband, Olympiastützpunkt oder als Regionaltrainer beim Verein angestellt sind. Hinzu kommen zwei Profilsportlehrer an den Sportschulen.

„Aber wenn wir eine neue Stelle ausschreiben, geht es uns wie einer Gaststätte, die einen Koch sucht: Es gibt kaum qualifiziertes Personal“, so der Stützpunktleiter, der zugleich auf den Fakt verweist: „In Augsburg ist das Betreuungsverhältnis Sportler pro Trainer etwa 3:1, bei uns aufgrund der Kadersituation 6:1.“ Am primären Ziel wird nicht gerüttelt: Olympia 2024 in Paris soll erneut mit Leipziger Kanuslalom-Assen stattfinden.

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