Deutsche Fahnenträgerin Katharina Schmid

Letzte Chance: Der Traum vom Gold lebt

Katharina Schmid fliegt während des FIS-Skisprung-Weltcups der Damen auf der Gross-Titlis-Schanze durch die Luft.

Antholz. Katharina Schmid ist ein emotionaler Mensch. Als sie bei den Olympischen Winterspielen vor vier Jahren in Peking im Mixed wegen eines zu großen Skisprunganzugs disqualifiziert wurde, flossen Tränen. Das deutsche Team hatte alle Medaillenchancen eingebüßt und die Oberstdorferin die ihr noch fehlende Olympia-Goldmedaille verpasst.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Das war das Härteste, was ich je einstecken musste“, sagte die zweimalige Olympia-Silbergewinnerin. Der Tiefpunkt ihrer ruhmreichen Karriere war für Schmid aber auch Antrieb, den Weg zu den nun beginnenden Winterspielen in Italien zu gehen: „Ich habe noch eine Rechnung offen mit Olympia.“

Schmids erste Eröffnungsfeier - gleich mit Fahne

Am Mittwoch ist diese schon vor Beginn teilweise beglichen worden. Die Flugpionierin, die ihren Sport seit 15 Jahren prägt, wurde zur deutschen Fahnenträgerin gewählt. „Es ist mir eine Wahnsinnsehre, dass ich für Deutschland die Fahne tragen darf bei meinen vierten und letzten Olympischen Spielen. Ich versuche alles aufzusaugen und das richtig zu feiern“, kommentierte Schmid.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Partyaussage will etwas heißen – schließlich absolviert die 29-Jährige am Tag der Eröffnungsfeier ihr Abschlusstraining und springt am Abend danach um Olympia-Gold auf der Normalschanze von Predazzo. Weil sie noch nie bei einer Olympia-Eröffnungsfeier war, will sie sich das Erlebnis aber auf keinen Fall nehmen lassen. Das zeigt, dass die siebenmalige Skisprung-Weltmeisterin bereit ist, ihre sportliche Liebe loszulassen.

Am Saisonende ist Schluss

Am Rande der Vierschanzentournee hatte die 1,57 Meter große Springerin kurz vor dem Jahreswechsel ihren Rücktritt zum Saisonende angekündigt. „Ich habe gemerkt, dass ich zufrieden mit dem bin, was ich habe. Und ich habe gemerkt, dass es noch viel mehr gibt außer diesem Sport, was ich erleben möchte“, sagte Schmid mit Tränen in den Augen. Sie meinte damit ihren Ehemann sowie Familie und Freunde. Viele davon werden in Italien bei ihrer olympischen Abschiedstournee an der Schanze stehen.

Die deutsche Rekordweltmeisterin, die den Sport noch unter ihrem Geburtsnamen Althaus wie keine Zweite geprägt hat, steht inzwischen im Schatten der Topspringerin Selina Freitag. Die Materialveränderungen haben Schmid das Siegen schwerer gemacht, wie Bundestrainer Heinz Kuttin erklärt. Dennoch traut er der „Team-Mama“ an einem perfekten Tag den Sprung aufs Podest zu – auch im Weltcup ist ihr das in diesem Winter zweimal gelungen.

„Der Traum ist natürlich immer noch, olympisches Gold zu gewinnen. Ich fahre nicht mehr zu Olympischen Spielen, um nur dabei zu sein. Wenn alles zusammenläuft und wenn ich ein bisschen Glück habe, kann ich das auch schaffen“, sagt Schmid und schiebt nach: „Wenn es nicht klappt, dann wäre es natürlich schade, aber dann wäre es auch okay.“ Es scheint, als hätte „Katharina, die Große“ ihren Frieden mit Olympia gemacht.

TZ Inhalte als bevorzugte Quelle markieren — dann erscheinen unsere Artikel häufiger in Ihren Google-Schlagzeilen.Inhalte in den Google-Schlagzeilen bevorzugen?
Bevorzugen