Busfahrer dringend gesucht: Studie macht Lösungsvorschläge für Personalmisere
Berlin. Die Personalnot im ÖPNV ist groß, Busfahrer und Busfahrerinnen werden händeringend gesucht. Einer der Gründe dafür: Wer einen Bus fährt, muss regelmäßig Lenkpausen einhalten. Das verlängert eine Dienstschicht im Schnitt von 7,7 auf 9 Stunden – bezahlt wird jedoch nur die Kernzeit. Über das Jahr gesehen bedeutet das zweieinhalb Wochen unbezahlte Arbeit. Das ergibt eine Studie im Auftrag der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Klima-Allianz. Neben den aktuellen Problemen zeigt sie auch mögliche Lösungen für die Personalmisere auf.
Grundlage dafür war eine Befragung von mehr als 1400 Mitarbeitenden in 700 Mitgliedsunternehmen des Branchenverbands VDV. Neben den unbezahlten Pausen machen demnach vor allem geteilte Schichten, die den Tag „zerreißen“, häufig wechselnde Arbeitszeiten und unterschiedliche Dienstorte den Beruf unattraktiv.
Viele Krankmeldungen und häufige Jobwechsel
Die Folge sind hohe Krankenstände und viel Fluktuation. Angesichts des fortgeschrittenen Durchschnittsalters der Beschäftigten ist zudem absehbar, dass die Personaldecke weiter ausdünnt: Bis zum Jahr 2035 werden laut der Studie rund 70 Prozent des jetzigen Fahrpersonals das Rentenalter erreichen oder den Beruf aus anderen Gründen verlassen.
Zugleich soll der ÖPNV ausgebaut werden und wachsen. „Gute Arbeitsbedingungen für Fahrerinnen und Fahrer sind dafür unverzichtbar“, betont die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle. Nur so seien die Personalengpässe zu überwinden und Krankenstände zu senken. Stefanie Langkamp von der Klima-Allianz ergänzt: „Gute Arbeit ist der schnellste Hebel für gute Mobilität und echten Klimaschutz.“
Wie es besser werden kann
Das von der Beratungsfirma KCW Consultants erstellte Gutachten, das erstmals systematisch die tarifvertraglichen Arbeitsbedingungen von rund 128.000 Beschäftigten untersuchte, kommt zu dem Schluss: Mit Maßnahmen wie der Begrenzung unbezahlter Pausen, dem Schichtbeginn und -ende am selben Ort, ausreichenden Ruhezeiten oder einer verkürzten Arbeitswoche würde der Beruf attraktiver. Krankenstände könnten sinken, was wiederum eine Kostenersparnis von bis zu 300 Millionen Euro pro Jahr einbrächte.
Für die vorgeschlagenen Verbesserungen wären nach Einschätzung der Berater rund sieben Prozent zusätzliche Mittel im Verhältnis zum heutigen ÖPNV-Gesamtbudget erforderlich. In absoluten Zahlen entspräche das 1,76 Milliarden Euro bei Gesamtausgaben von fast 24 Milliarden Euro pro Jahr. Als einen wichtigen ersten Schritt fordern Verdi und die Klima-Allianz einen ÖPNV-Gipfel, der Politik, Branche und Zivilgesellschaft an einen Tisch bringt.