Frauen in der Wirtschaft: Es braucht echte Chancen für Claudia, Susanne und Sabine
Berlin. Menschen mit dem Vornamen Thomas müssen jetzt tapfer sein. Erstmals ist in den vergangenen zwölf Monaten keiner von ihnen in den Vorstand eines deutschen Börsenunternehmens berufen worden. Das ist bemerkenswert, weil Thomas seit vielen Jahren der häufigste Vorname in deutschen Vorständen ist, und die sogennannte Thomas-Schablone als Sinnbild dessen gilt, was in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft schiefläuft. Demnach ist der typische Vorstand eines deutschen Unternehmens männlich, Mitte 50, in Westdeutschland betriebs- oder volkswirtschaftlich ausgebildet und hört auf den Namen aus dem Neuen Testament.
Die Thomas-Schablone ist mehr als eine statistische Spielerei, denn es ist belegt, dass Führungskräfte dazu neigen, weitere Führungskräfte nach einem ähnlichen Hintergrund wie dem eigenen zu berufen. Das Thomas-System erhält sich also ein Stück weit selbst, was eine schlechte Nachricht für alle ist, die mehr Frauen und mehr Diversität in den Vorständen deutscher Unternehmen wollen.
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Zur vollständigen AnsichtIst es nun eine gute Nachricht, wenn die Allbright-Stiftung verkündet, dass die Zahl weiblicher Vorstände steigt und im Verhältnis die der Thomas-Männer abnimmt? Im Prinzip ja, aber die Entwicklung schreitet nur quälend langsam voran. Legt man das Tempo der vergangenen fünf Jahre zugrunde, würde es bis zum Jahr 2039 dauern, ehe das Geschlechterverhältnis in den Vorständen der deutschen Börsenunternehmen ausgeglichen ist.
Zwar ist im vergangenen Jahr kein neuer Thomas hinzugekommen, dafür aber gleich mehrere Stefans, Martins und Markusse. Und wenn die weitere Führungskräfte auswählen, entscheiden sie sich eher nicht für eine Claudia, Susanne oder Sabine. Das muss sich ändern.