Streit zwischen Fußballfans in Leipzig eskaliert: Verletzte nach Schlägerei vor Alfred-Kunze-Stadion
Leipzig. Ein Streit zwischen Fans des Leipziger Fußballvereins BSG Chemie und Gästefans der SG Weixdorf ist am Sonntagmittag unmittelbar vor Beginn des Sachsenpokalspiels im Leipziger Alfred-Kunze-Sportpark eskaliert. Wie die Polizei Leipzig auf LVZ-Nachfrage bestätigte, kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung, die mehrere Verletzte zur Folge hatte.
Den bisherigen Erkenntnissen zufolge sollen Weixdorfer Fans von 20 bis 30 unbekannten Anhängern der BSG Chemie Leipzig körperlich vor ihrem Bus angegriffen worden sein. Acht Fans mussten medizinisch versorgt werden, sieben davon ambulant, ein Mensch musste in ein Krankenhaus gebracht werden.
Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Nach LVZ-Informationen war sie bei der gewalttätigen Auseinandersetzung allerdings nicht in der Nähe, traf erst ein, als die beiden Gruppen wieder voneinander abgelassen hatten. Unklar ist bislang, wie es zu dem Streit gekommen ist. Augenzeugen sprechen von Provokationen, die den Handgreiflichkeiten vorausgegangen waren.
Die BSG Chemie gab noch am Sonntagnachmittag eine offizielle Stellungnahme zu dem Vorfall ab: „Wir bedauern sehr, dass es zu Auseinandersetzungen gekommen ist und werden die Vorfälle gemeinsam mit der SG Weixdorf und dem Fanprojekt auswerten“, hieß es in dem Schreiben der Kommunikationsabteilung.
Stellungnahme der BSG Chemie Leipzig zum Vorfall in Leutzsch
Demnach habe die SG Weixdorf für das Spiel am Sonntag in Leipzig zwei Fanbusse für Vereinsmitglieder und Angehörige organisiert. Wie die BSG Chemie mitteilt, sei eine größere Personengruppe mit einem dritten Bus, der nicht von der SG Weixdorf organisiert gewesen sei, nach Leipzig gereist. Diese Gruppe habe „Devotionalien von nicht am Spiel beteiligten Vereinen sowie eindeutig dem rechtsradikalen Spektrum zuzuordnende Kleidungsstücke“ mitgebracht. Diesen Personen sei der Zugang zum Stadion mit Verweis auf die Stadionordnung nicht gewährt worden.
Bereits in den Sicherheitsberatungen im Vorfeld sei deutlich kommuniziert worden, dass „dem rechtsradikalen Spektrum zuzuordnende Kleidung und Symbolik nicht erlaubt sind“, hieß es in der Stellungnahme der BSG Chemie weiter. Die Information, dass eine rechtsradikal gesinnte Personengruppe zum Sachsenpokalspiel nach Leipzig reisen würde, habe es im Vorfeld nicht gegeben. Andernfalls hätte man das Sicherheitskonzept für dieses Spiel entsprechend angepasst.
Die Polizei gehe nun Hinweisen nach, wonach das Zeigen von Bekleidung eines im rechtsextremen Milieu beliebten Labels einiger Fans des SG Weixdorf zur Attacke auf diese geführt haben könnte. Die Polizei verstärkte aufgrund dieser Situation vor Ort ihre Kräfte und sicherte den Spielverlauf. Ebenfalls waren Einsatzkräfte der Bundespolizei, der Feuerwehr und des Rettungswesens mit im Einsatz. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen wegen des besonders schweren Falls des Landfriedensbruchs aufgenommen.
Der Anpfiff erfolgte pünktlich um 14 Uhr, im Stadion befanden sich laut Polizei 2000 Heim- und 150 Gästefans, der Verein gibt insgesamt 1847 Personen auf den Rängen an. Sportlich war Chemie gegen den Sachsenklassisten der klare Favorit und wurde seiner Rolle mit einem 3:0-Sieg gerecht. Die aktuelle Negativ-Serie in der Regionalliga war der Elf von Trainer Miroslav Jagatic allerdings durchaus anzusehen, ein sonderlich souveräner Auftritt war es nicht. Nach dem Spiel gewährleistete die Polizei eigenen Angaben zufolge eine störungsfreie Abreise der Fans des SG Weixdorf.
Ähnliche Zwischenfälle beim Sachsenpokal in Chemnitz
Zu Zwischenfällen ähnlicher Art war es auch am Samstag beim Sachsenpokalspiel zwischen dem Chemnitzer FC und Dynamo Dresden gekommen. Wie ein Sprecher der Polizei mitteilte, waren etwa 290 Gästefans zum Spiel angereist. Vom Hauptbahnhof in Chemnitz marschierten sie in einem Fanmarsch die Straße der Nationen entlang bis zum Stadion. Während des Marsches zeigte ein 48-jähriger Dynamo-Fan den Hitlergruß, was zu einer Anzeige wegen Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen führte. Nach dem Abpfiff wurde zudem ein 21-jähriger Fan der Dresdner im Toilettenbereich der Gästeblocks von Unbekannten geschlagen und verletzt. Rettungskräfte brachten ihn zur medizinischen Versorgung ins Krankenhaus.