Falschgeld und kiloweise Kokain: Leipziger Polizei gelingt Schlag gegen syrischen Clan
Leipzig. „Arbeitsteilig“ hätten die Männer gehandelt. Und vor allem auf der Leipziger Eisenbahnstraße „aus verschiedenen Lokalitäten“ heraus Betäubungsmittel verkauft. Monatelang sammelte die Polizei dazu Beweise – bevor sie am 26. November zuschlug, wie jetzt bekannt wurde.
Bei den koordinierten Razzien in Leipzig und Eilenburg stießen die Beamten auf rund zwei Kilogramm Kokain, mehr als 100 Gramm Crystal Meth und circa 400 Gramm Heroin. Außerdem: mehrere tausend Euro Falschgeld und unerlaubte Pyrotechnik. Die Beamten stellten umfangreiche Speichermedien und mehr als 20.000 Euro Bargeld sicher.
Außerdem verhaftete sie sechs Männer. Gegen fünf erließ das Amtsgericht Leipzig Haftbefehle, die auch in Vollzug gesetzt wurden. Bei den Inhaftierten handelt es sich um drei Syrer (21 und zweimal 28 Jahre), einen Marokkaner (38) sowie einen Deutsch-Tunesier (40).
Laut Polizei gehören die Männer zu einer „Gruppierung rund um eine syrische Großfamilie“, die „in Leipzig mit Drogen handelt“. Nach Informationen von Leipziger Volkszeitung und Sächsischer Zeitung ist die Familie A. gemeint – ein einschlägig bekannter krimineller Clan, der schon länger mit Straftaten im Raum Leipzig auffällt. Prominentester Fall: Der Autounfall mit vier Todesopfern, den Bilal A. vor zweieinhalb Jahren auf der B87 verursachte.
Parallelgesellschaft, ohne jedes Integrationsbemühen.
Leipziger Amtsrichter über die Großfamilie A.
Die Mitglieder der Familie A. kamen in den vergangenen zehn Jahren über die Türkei und Griechenland nach Deutschland, bauten sich in Leipzig ein Leben auf, das offenbar auch mit Geld aus illegalen Geschäften finanziert wird. Der Vater: Ein Mann, den man als Patriarch bezeichnen könnte, nach islamischen Recht mit drei Frauen verheiratet. Nach Informationen dieser Zeitung hat er mindestens 25 Kinder.
Das familiäre Klima beschrieb ein Leipziger Amtsrichter einmal als „Parallelgesellschaft, ohne jedes Integrationsbemühen”. Es fehle „an einer positiven erzieherischen Einflussnahme“, die den Wert von Schulausbildung, Deutschkurs oder Berufsausbildung nahebringen könnte. Den Angeklagten attestierte er „Rücksichtslosigkeit und eine aggressive Durchsetzungsbereitschaft“. LVZ und SZ sind mindestens 24 Anzeigen und Verfahren gegen die Familie bekannt.
Bar auf der Eisenbahnstraße im Fokus
Recherchen dieser Zeitung zufolge betreiben Mitglieder der Familie A. den „Goldenen Löwen” im Leipziger Osten. Die Bar gilt als Umschlagplatz für Drogen, wird regelmäßig durchsucht.
In Folge der Razzia im vergangenen November wurde nun offenbar ein anderes Lokal durch das Gewerbeamt geschlossen und versiegelt: Die „Lions″ Bar auf dem hinteren Ende der Eisenbahnstraße.