Meinungen zur Kanzlerwahl von Friedrich Merz

„Unverantwortlich und dumm“ – Das sagen Leserinnen und Leser zur Kanzlerwahl

Bundeskanzler Friedrich Merz (r.) wartet neben Jens Spahn, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, im Bundestag beim zweiten Durchgang der Kanzlerwahl.

Leipzig. Nach dem politischen Paukenschlag im Bundestag gab es für Friedrich Merz am Dienstag doch noch ein versöhnliches Ende eines turbulenten Tages: Im zweiten Wahlgang wurde der CDU-Chef mit 325 Stimmen zum Bundeskanzler gewählt – neun Stimmen mehr als nötig. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreichte ihm am Nachmittag im Schloss Bellevue die Ernennungsurkunde. Am Abend nahm das neue Kabinett von CDU, CSU und SPD bereits die Arbeit auf.

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Doch was bleibt, ist der historische Makel: Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik ist ein designierter Kanzler im ersten Wahlgang gescheitert. Merz verfehlte am Vormittag die absolute Mehrheit – und damit die Unterstützung aus den eigenen Reihen. Ein Vorgang, der die Bundespolitik erschütterte. Und auch bei unseren Leserinnen und Lesern sorgte die Entwicklung für lebhafte, teils emotionale Reaktionen.

Ärger über Verantwortungslosigkeit

Viele Zuschriften spiegeln Frust und Unverständnis wider – nicht nur gegenüber Merz, sondern auch gegenüber den Abgeordneten, die ihm die Zustimmung verweigerten. „Das Verhalten der Koalitionsabgeordneten ist unverantwortlich und dumm“, schreibt ein Leser.

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Ein anderer ergänzt: „Manche Parlamentarier sind sich ihrer Verantwortung offensichtlich nicht bewusst.“ Diese Sichtweise zieht sich durch viele Kommentare: „In Zeiten wie diesen sollten sich die demokratischen Parteien über ihre persönlichen Empfindlichkeiten stellen und sich dafür einsetzen, dass es diesem Land gut geht.“

„Es sollte mal mehr ans gesamte Land gedacht werden“

Ein Leser fasst es so zusammen: „Viele regen sich darüber auf, dass seit Monaten nichts vorwärtsgeht in Deutschland. Da gibt es nun endlich Aussicht auf Besserung mit einer neuen Regierung, dann kommen wieder diejenigen, die meinen, man müsse das unterbinden. Man merkt deutlich, dass vielen Deutschen, wie auch vielen Mitglieder des Bundestags, völlig egal ist, was mit Deutschland passiert. Hauptsache ihre eigene persönliche Meinung wird durchgedrückt. Es sollte mal mehr ans gesamte Land gedacht werden.“

Doch noch ein versöhnliches Ende: Der neu gewählte Bundeskanzler Friedrich Merz legt vor Bundestagspräsidentin Julia Klöckner im Bundestag bei der Vereidigung den Amtseid ab.

Mehrfach fällt das Wort „verantwortungslos“ – auch wenn einige durchaus Verständnis für das Nein im ersten Wahlgang zeigen. „Vermutlich als verständlicher Denkzettel gedacht, dennoch unverantwortlich in der aktuellen Situation.“ Für andere wiegt der politische Schaden schwerer: „Die extremen Ränder wird es freuen.“

„Ein schlechter Kanzler, der von schlechten Menschen umgeben ist“

Gleichzeitig richtet sich viel Kritik direkt an Friedrich Merz selbst – oft verbunden mit grundsätzlichen Zweifeln an seiner Eignung als Kanzler. „Ein schlechter Kanzler, der außerdem von schlechten Menschen umgeben ist“, lautet ein besonders scharfer Kommentar.

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Mehrere Leserinnen und Leser verweisen auf seine umstrittene frühere Tätigkeit bei der US-amerikanischen Investmentgesellschaft Blackrock: „Er kann auch mit seiner Biografie nie der Kanzler aller werden.“

Auch andere finden klare Worte gegen den CDU-Chef persönlich: „Wer sich mit der AfD verbündet, muss die Konsequenzen einsehen!“ Oder noch drastischer formuliert: „Wer sät, wird ernten, heißt es schon in der Bibel. Es ist der überfällige Denkzettel für Merz und für sein desaströses Verhalten im Wahlkampf, seine Abstimmung mit der AFD und seine häufigen Falschaussagen.“

„Kein Beinbruch für seine Amtszeit“

Doch zwischen den Fronten gibt es auch differenzierte Stimmen. „Zum einen froh, denn Friedrich Merz ist nicht der Kanzler, den ich möchte“, schreibt ein Leser, „andererseits macht es mir Angst, denn die Instabilität könnte von der AfD ausgenutzt werden.“

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Trotz aller Kritik wird das Geschehen aber auch als legitimer Ausdruck demokratischer Prozesse eingeordnet und eher gelassen gesehen: „Sowas nennt man Demokratie, da kann so einiges passieren“, heißt es. Und: „Das ist Demokratie, aber kein Beinbruch für seine Amtszeit.“

Und so zeigen die Reaktionen vor allem eines: Die Wahl von Friedrich Merz bewegt die Menschen – und spiegelt eine gesellschaftliche Zerrissenheit wider, die auch der neue Kanzler nicht ignorieren kann.

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