Karl-Heinz Neugebauer: Seilbahn als Lösung der Leipziger Verkehrsprobleme
Leipzig. Die Bevölkerungsentwicklung der vergangenen 20 Jahre und der anhaltende Zuwachs stellen unsere Stadt vor vielfältige Herausforderungen, so auch im privaten und gewerblichen Straßenverkehr sowie beim ÖPNV. Es ist abzusehen, dass die hier schon bestehenden Probleme nicht kleiner werden. Aber reichen da die bisherigen stadtplanerischen Ideen und Konzepte aus?
So wird zum Beispiel die Neuverlegung einer Straßenbahntrasse von der Antonienstraße über Rödelstraße/Schleußiger Weg/Kurt-Eisner-Straße/Semmelweisstraße bis zur Philipp-Rosenthal-Straße in Erwägung gezogen.
Leser-Visionen
Seit Anfang Januar haben in der LVZ 50 Menschen aus der Stadtgesellschaft ihre „Vision für Leipzig“ gezeigt. Viele Leserinnen und Leser haben zudem ihre eigenen Visionen eingereicht, von denen einige bereits veröffentlicht wurden. Haben Sie dafür vielen Dank! Zum Abschluss veröffentlichen wir nun weitere Leser-Visionen.
Seilbahn statt Straßenbahn-Erweiterung
Dieser Idee möchte ich die Vision einer Seilbahn entgegenstellen. Eine solche wurde im Dezember 2025 in Paris eröffnet. Als längste urbane Seilbahn Europas verläuft die Câble C1 über 4,5 Kilometer Länge, hat 30 Stützen, fünf Stationen und befördert seither täglich 11.000 Passagiere. Die 105 Kabinen bieten für Rollstühle, Kinderwagen und für bis zu jeweils zehn Personen Platz.
Wäre das eine Utopie für Leipzig? Und wo könnte die Trasse einer Seilbahn verlaufen? Es würde ein attraktives, innovatives und nachhaltiges Verkehrsmittel gewählt, das sich durch einen geringeren Flächenverbrauch am Boden und eine schnellere Bauzeit auszeichnet, darüber hinaus am wenigsten in die aktuelle Verkehrsinfrastruktur eingreift. Die Seilbahn wäre eine schnelle, lautlose, barrierefreie und CO₂-freie Verbindung über stark befahrene Straßen und Bahnstrecken hinweg.
Es würde ein attraktives, innovatives und nachhaltiges Verkehrsmittel gewählt, das sich durch einen geringeren Flächenverbrauch am Boden und eine schnellere Bauzeit auszeichnet, darüber hinaus am wenigsten in die aktuelle Verkehrsinfrastruktur eingreift.
Karl-Heinz Neugebauer
Diese Ost/West-Trasse im Leipziger Süden wäre mit acht Umsteigemöglichkeiten für innerstädtische Pendler ebenso von Bedeutung wie für Touristen. Sie hätte eine Streckenlänge von 7,5 bis 8 Kilometern und es wären circa 50 Stützen, sechs Haltepunkte sowie zwei Anfangs-/Endstationen erforderlich.
Mögliche Streckenführung der Seilbahn
Beginn/Ende: Straße des 18. Oktober/An der Tabaksmühle, Völkerschlachtdenkmal, Anschluss Tram 15
Haltepunkt 1: Kreuzungsbereich Richard-Lehmann-Straße/Zwickauer Straße, Anschluss Tram 16
Haltepunkt 2: Gelände der Stadtwerke Leipzig/Panometer
Haltepunkt 3: Richard-Lehmann-Straße, kurz vor der B2 /Fockeberg unterhalb des Fockeberges, lautlose Fahrt über das Leipziger Ratsholz
Haltepunkt 4: Pistorisstraße, für Siedlungsbewohner und Garteninhaber von Interesse
Haltepunkt 5: Dieskaustraße, Alfred-Rosch-Kampfbahn, Anschluss Tram 3
Haltepunkt 6: Antonienstraße, Anschluss Tram 1 + 2
Beginn/Ende: Antonienstraße/Brünner Straße, für die Bewohner von Grünau-Ost von Interesse
Mit den Fundamentarbeiten und der Bautätigkeit wären zwar Eingriffe in die Landschaftsschutzgebiete und Naturschutzgebiete notwendig, könnten aber durch eine günstige Wahl der Stützenstandorte (einmal am Parkplatz am Ende der Richard-Lehmann-Straße und einmal an der Linie) auf ein Minimum beschränkt werden.
Bei der Streckensuche würden große Brücken (Schleußiger Weg/B2) oder Nadelöhre wie Rödelstraße und Adler ausgeschlossen. Bei doch zu überwindenden Brücken, wie zum Beispiel der Antonienbrücke, sollte die Trassierung wie in Paris neben der Straßenbrücke (ohne Auf- und Abstieg) erfolgen.
Wem diese Utopie (Größenwahn) noch nicht ausreicht, könnte die Fahrstrecke noch bis zur Lützner Straße und weiter bis zum neuen Wohngebiet am Lindenauer Hafen (Fußgängerbrücke-Westseite) fortführen.
Karl-Heinz Neugebauer (75) ist Rentner und gebürtiger Leipziger. Er fährt gern mit dem Fahrrad durch Leipzig, auch durch den Auwald.