Filzverdacht im Verkehrsministerium: Wissing will nächste Woche Zwischenbericht vorlegen
Berlin. Das Bundesverkehrsministerium (BMDV) will nach den Vetternwirtschaftvorwürfen gegen einen Abteilungsleiter nächste Woche einen Zwischenbericht vorlegen. So sei am 21. Juni eine interne Revision eingeleitet worden, die „unabhängig, vertraulich und in der gebotenen Gründlichkeit an der Aufarbeitung aller Behauptungen“ arbeite, sagte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). „Ob und gegebenenfalls welche Konsequenzen zu ziehen sind, wird nach Abschluss der Untersuchung entschieden. Nach derzeitigem Stand wird das BMDV Ende kommender Woche einen Zwischenbericht vorlegen“, hieß es weiter. „Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst.“
Hintergrund sind Berichte des „Handelsblatts“ über das Ministerium von Volker Wissing. Die Zeitung hatte über Hinweise auf private Kontakte eines Abteilungsleiters zu den Empfängern von Fördergeldern berichtet. Dabei geht es um Fördermittel in Millionenhöhe aus dem Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. Im Raum steht der Verdacht, dass dieser Abteilungsleiter an der Vergabe der Fördermittel beteiligt gewesen sei und Bekannte profitiert hätten. Das Ministerium sagte dazu bereits vor einigen Wochen, dass der Abteilungsleiter keine Befugnis habe, über die Vergabe der Förderung zu entscheiden. Der Mann, der von Wissings Vorgänger Andreas Scheuer (CSU) geholt worden war, hatte der Zeitung zufolge zudem inzwischen abgelaufene Patente an der Brennstoffzellentechnologie.
Handelsblatt zieht Comliance-Vorwürfe zurück
Update: Das Handelsblatt hat die in mehreren Artikeln erhobenen Compliance-Vorwürfe gegen einen Abteilungsleiter im Verkehrsministerium am 7. September 2023 zurückgezogen. Man halte an der Darstellung nicht weiter fest, heißt es in einer Klarstellung, die im Handelsblatt veröffentlicht wurde.
Eine baldige Veröffentlichung des Prüfungsergebnisse wäre auch im Sinne der Koalitionspartner, die schon länger vollständige Transparenz fordern. „Spätestens zur ersten Sitzungswoche muss das Ministerium die Vorgänge aufgearbeitet und Transparenz hergestellt haben“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Stefan Gelbhaar, dem RND. „Die Vorwürfe und Fragen sind allesamt abzuarbeiten, und es ist zu beantworten, was wann geschehen ist.“ Gelbhaar forderte eine „umfassende und abschließende Stellungnahme“ an das Parlament. Die Vergabepraxis des Ministeriums müsse klar nachvollziehbar sein.
Auch die SPD pocht auf eine transparente Aufklärung. Die sei dringend notwendig, sagte SPD-Bundestagsfraktionsvize Detlef Müller dem RND. „Ich gehe davon aus, dass das Verkehrsministerium alles dazu beitragen wird. Es gilt bereits vor der Vergabe von Fördermitteln jeglichen Verdacht einer persönlichen Betroffenheit auszuschließen, ohne Wenn und Aber.“
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Zur vollständigen AnsichtUnionsfraktion macht Druck
Am Donnerstag erhöhte die Unionsfraktion den Druck auf Wissings Haus. Sie stellte dem Ministerium eine Kleine Anfrage mit rund 40 Fragen. Das Schreiben liegt dem RND vor, zuerst hatte die ARD berichtet. Darin heißt es, es stehe der begründete Vorwurf im Raum, dass ein Abteilungsleiter Privates mit Dienstlichem vermischt habe. Die dringend nötige Aufklärung dieser Vorgänge, bei denen es um erhebliche Summen an Steuergeldern geht, lasse bisher auf sich warten.
Die Nichtregierungsorganisation Transparency Deutschland sieht die Vorwürfe als einen Beleg dafür, dass die Regeln für die Vergabe von Fördermitteln nicht klar genug sind. „Insbesondere der Umgang mit Interessenkonflikten muss besser geregelt werden“, sagte Geschäftsführerin Anna-Maija Mertens dem RND. Bereits der Anschein eines Interessenkonfliktes bei einer Vergabeentscheidung schädige das Ansehen der Politik und schwäche das Vertrauen der Bevölkerung. Die derzeitigen Complianceregelungen in den Ministerien seien unzureichend.