Newsletter "Politik in Sachsen"

Neue Bauernproteste in Sachsen + Anschläge auf Stromversorgung? + Prozess um Polizistenmord

Guten Morgen!

Sachsens Bauern demonstrieren am Donnerstag mit Bobbycars: Tretautos statt Traktoren, Spielzeug statt Straßensperren. Das wirkt freundlich, fast niedlich – und ist doch eine stille Anklage. Während in anderen Bundesländern erneut Autobahnen blockiert werden, setzt man hier auf Symbolik. Vielleicht, weil man hofft: Laut sein bringt Aufmerksamkeit, leise sein möglicherweise Nachdenken.

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Der Anlass ist ernst genug. Das Mercosur-Abkommen verspricht billigere Importe, vor allem Fleisch und Agrarprodukte. Für Verbraucher klingt das gut, für viele Landwirte klingt es nach dem nächsten Preisdruck. Milchpreise, die seit Jahren schwanken und gerade wieder fallen, Abnahmepreise für Getreide, die häufig kaum die Kosten decken – wer heute einen Hof führt, braucht Idealismus und starke Nerven.

Schon vor zwei Jahren standen Landwirte auf den Straßen und Plätzen. Auch damals ging es um Wertschätzung und faire Rahmenbedingungen. Gehört wurden sie nur kurz. Danach verschwand das Thema wieder, wie so oft, hinter größeren Schlagzeilen. Der Frust ist geblieben. Vielleicht sogar gewachsen. Denn während über Klimaziele, Freihandel und Verbraucherpreise debattiert wird, stehen die Produzenten im Schatten.

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Doch die Bauern sind zuverlässig im Hintergrund: Sie liefern, pflegen Landschaft, halten Dörfer am Leben. Sichtbar werden sie meist erst, wenn etwas nicht funktioniert. Die Bobbycars sind deshalb mehr als eine nette Idee. Sie erinnern daran, dass eine Landwirtschaft, die man klein hält, irgendwann auch klein wird. Und dann fehlt mehr als nur ein Berufsstand.

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Thema des Tages

Sachsens Agrarminister zu Bauernprotesten: „Ich verstehe die Wut“

Am Donnerstag gehen Landwirte in ganz Deutschland, darunter auch in Sachsen, auf die Straße. Mit ihren Protesten wollen sie gegen das geplante Mercosur-Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und mehreren südamerikanischen Staaten demonstrieren.

Auch Sachsens Landwirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch wird an den Protesten teilnehmen. Während Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU) das Abkommen mehrfach befürwortet hat, äußert sich der sächsische Minister kritisch zu den EU-Plänen.

In vielen Bundesländern planen Landwirte Blockaden auf Autobahnen, doch in Sachsen setzt man auf eine andere Form des Protests. Vor der Dresdner Frauenkirche soll ab 14 Uhr eine symbolische Aktion mit rund 300 Spielzeugtraktoren stattfinden. Der Bauernverband „Land schafft Verbindung“ rechnet mit bis zu 300 Teilnehmenden.

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Brandanschlag auf Stromkabel in Berlin: Linksextreme Nachahmer in Sachsen wahrscheinlich?

Ein gezielter Brandanschlag auf eine besonders wichtige Stromverbindung in Berlin und tagelang ging in mehreren Stadtteilen nichts mehr: Politikerinnen und Politiker in der Hauptstadt sprachen schnell nach der Tat von Linksterrorismus, inzwischen ermittelt auch der Generalbundesanwalt wegen des Verdachts, dass hier eine terroristische Vereinigung am Werk war. Die Gruppe, die für den Brandanschlag auf die Stromversorgung verantwortlich sein soll, ist in Berlin schon länger aktiv, soll mehrfach mit gezielten Attacken für Stromausfälle gesorgt haben.

In Sachsen gibt es auch eine aktive extrem linke Szene, auch Brandanschläge gab es hier schon, jedoch meist auf Autos und Baukräne, seltener auf Infrastruktur. Könnte sich das jetzt ändern? Das sächsische Innenministerium gibt zur Frage nach einem Nachahmer-Risiko keine Einschätzung ab. Extremismusforscher Tom Mannewitz hält es für wenig wahrscheinlich, dass der Berliner Angriff für viele Nachahmer in der linksextremen Szene sorgt — auch nicht in Sachsen.

Probeabstimmung

Wir wollen von Ihnen wissen: Wären Sie auf einen mehrtägigen Stromausfall vorbereitet? Das Ergebnis der Abstimmung lesen Sie am Freitag im Newsletter.

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Polizist aus Sachsen in Brandenburg getötet: Prozess gegen Verdächtigen beginnt

Ein Jahr nach dem Mord an dem sächsischen Polizisten Maximilian Stoppa beginnt am kommenden Mittwoch vor dem Landgericht Cottbus der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter. Der Mann soll den Beamten am 7. Januar 2025 in Lauchhammer (Brandenburg) mit einem Auto überfahren und tödlich verletzt haben. Die sächsische Polizei hat aus Anlass des ersten Todestages am Mittwoch eine Gedenkveranstaltung am Tatort in Lauchhammer ausgerichtet. Mit einem Gedenkstein möchten die beiden Bundesländer die Erinnerung an den getöteten Beamten wachhalten. An der Veranstaltung haben die beiden Ministerpräsidenten von Sachsen und Brandenburg, Michael Kretschmer (CDU) und Dietmar Woidke (SPD), teilgenommen.

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Grünen-Politiker Kasek vor Gericht: Hilfsangebot abgelehnt

Im Strafprozess gegen den Leipziger Grünen-Politiker Jürgen Kasek hat ein Vorstandsmitglied der Rechtsanwaltskammer Sachsen ausgesagt, Kasek habe ein Unterstützungsangebot trotz finanzieller Probleme ausgeschlagen. Der Strafverteidiger Curt-Matthias Engel erklärte vor dem Amtsgericht Leipzig, er habe Kasek mehrfach Hilfe angeboten, jedoch keine Resonanz erhalten.

Kasek steht seit Oktober wegen 42 Anklagepunkten unter anderem wegen Betrugs, Untreue und des Missbrauchs von Berufsbezeichnungen vor Gericht. Laut Staatsanwaltschaft soll er nach dem Entzug seiner Anwaltszulassung im Juli 2022 weiterhin als Rechtsanwalt aufgetreten und Leistungen abgerechnet haben, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Der Angeklagte bestreitet eine rechtswidrige Bereicherung, räumte jedoch die unzulässige Nutzung der Berufsbezeichnung ein; weitere Verhandlungstermine stehen noch aus.

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Weniger Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen

2024 sind in Sachsen erneut weniger Kinder und Jugendliche wegen Alkoholvergiftungen stationär behandelt worden. Laut DAK-Gesundheit und Daten des Statistischen Landesamts Sachsen gab es 807 Fälle, 8,7 Prozent weniger als im Vorjahr und damit einen stärkeren Rückgang als bundesweit. Sozialministerin Petra Köpping (SPD) mahnte trotz der positiven Entwicklung zur Vorsicht und betonte die Notwendigkeit früher Aufklärung über Risiken. Die DAK setzt ihre Präventionskampagne „bunt statt blau“ an Schulen fort.

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Landesdirektion bewilligt zwei Millionen Euro für den Tierschutz

Die Landesdirektion Sachsen stellt 2025 insgesamt zwei Millionen Euro Fördermittel für Tierheime und Tierschutzvereine bereit. Über die „Richtlinie Tierschutz“ werden bis zu 90 Prozent der Kosten unter anderem für Betrieb, Personal, Tierarztleistungen und Investitionen gefördert. Von 126 Anträgen wurden 116 bewilligt, wie LDS-Präsident Béla Bélafi mitteilte. Die Mittel waren für 2025 und 2026 deutlich aufgestockt worden. Trotz später Haushaltsfreigabe konnten alle Förderungen rechtzeitig ausgezahlt werden. Anträge können jeweils bis zum 15. Februar gestellt werden.

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Vorige Probeabstimmung: Ihr Votum

20260107_SN_Umfrage_1360_Newsletter

Die derzeitigen Entwicklungen in Brandenburg stimmen Sie skeptisch, wenn es um die Zukunft des BSW geht. 80,4 Prozent denken nicht, dass das BSW eine relevante politische Kraft in Ostdeutschland bleibt. Etwa 17 Prozent sind gegenteiliger Meinung. 3 Prozent sind sich unsicher.

TZ
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Köpfe

Conrad Clemens (43): Sachsens Kultusminister begeht an diesem Donnerstag ein kleines Jubiläum: Der Besuch des Förderzentrums „Johann Friedrich Jencke“ in Dresden wird die 200. Station auf seiner Schultour sein, die vor genau einem Jahr gestartet war. „Es geht nicht um Zahlen, sondern um echte Begegnungen“, hält Clemens all jenen entgegen, die seine Stippvisiten als PR-Maßnahme abtun. Der Minister hat inzwischen 20 Kindergärten, 46 Grundschulen, 55 Oberschulen, 45 Gymnasien, zwölf Förderschulen, sechs Gemeinschaftsschulen, zwei Horte sowie 13 Berufsschulzentren und Fachschulen besucht.
TZ
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Schlagzeilen

Mitteldeutsche Zeitung: Land will Migranten in Jobs
Lausitzer Rundschau: Sturmtief Elli bringt mehr Schnee und kräftigen Wind
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Termine

Dresden: 9 Uhr, Fortsetzung Prozess gegen eine mutmaßliche Vertraute der NSU-Terroristin Beate Zschäpe wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung
Dresden: 10 Uhr, Pressekonferenz des Sächsischer Städte- und Gemeindetages zum Gemeindefinanzbericht Sachsen 2024/2025
Dresden: 10 Uhr, Pressekonferenz mit Sachsens Agrarminister Georg-Ludwig von Breitenbuch zur Teilnahme Sachsens auf der Grünen Woche
Dresden: 10.30 Uhr, Sachsens Kultusminister Conrad Clemens besucht 200. Einrichtung während seiner Tour durch Sachsens Schulen und Kindertageseinrichtungen
Dresden: 11 Uhr, Pressekonferenz der Deutschen Bahn zum Beginn der Bauarbeiten für einen zentralen Verkehrsknoten im Dresdner Westen
Dresden: 14 Uhr, Verein Land schafft Verbindung plant Demonstration in Dresden mit 300 Spielzeug-Trettraktoren
TZ
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Vox Populi

Ein achtjähriger Junge aus Vierkirchen im Landkreis Görlitz findet trotz Schulpflicht keine Schule. Die Pflegeeltern sind verzweifelt. Dem Landesschulamt Sachsen ist der Fall bekannt - und es ist trotzdem ratlos. Diese Geschichte hat Sie gestern besonders bewegt.

Meine Extra-Empfehlungen

Klamme Kasse: Warum Sachsen-Anhalt eine Corona-Notlage für dieses Jahr ausruft, erklären August Modersohn und Cornelius Pollmer in der Zeit.

Gescheiterte Koalition: Wie es jetzt in Brandenburg weitergeht, wird im Deutschlandfunk-Podcast der abtrünnige BSW-Minister Robert Crumbach gefragt.

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Sinnlose Verbote: Wie sich Kinder vom Handy loseisen lassen, lässt sich mein LVZ-Kollege Matthias Wöbking von vier Leipziger Studentinnen des Fachs „Soziale Arbeit“ erläutern.

Wir wünschen Ihnen einen schönen Donnerstag. Bis morgen, Ihr

Andreas Debski

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