So entwickelt sich Sachsens Einwohnerzahl + Hat der Amokfahrer die Tat angekündigt? + Ifo-Einschätzung zu Spritpreisen
Guten Morgen!
Sind Sie eher der Typ, der gern viele Menschen um sich hat, oder haben Sie lieber ein Stück Welt für sich allein? In dieser Frage hat man in Sachsen in den nächsten Jahren noch mehr als bisher die Wahl. Denn Sachsen schrumpft. Ganz Sachsen? Nein. Zwei gallische Dörfer – oder eher stolze Sachsen-Metropolen – hören nicht auf, dem demografischen Wandel Widerstand zu leisten.
So lässt sich grob skizzieren, was das Statistische Landesamt gerade hochgerechnet hat. Die neue Bevölkerungsprognose reicht 20 Jahre voraus, und die Statistikerinnen und Statistiker aus Kamenz haben drei Szenarien betrachtet: eines, in dem es milde zugeht mit dem Schrumpfen, ein mittelschweres und ein sehr rasantes.
In allen Varianten sinkt die Bevölkerungszahl, doch nur in der düstersten schrumpfen sowohl Leipzig als auch Dresden mit. Ein Rennen ist in jedem denkbaren Szenario entschieden: Leipzig ist und bleibt die größte Stadt im Freistaat. Sie könnte im besten Fall bis 2045 auf 650.000 Einwohnerinnen und Einwohner wachsen. Um das aufzuholen, müsste Dresden in der gleichen Prognose ganz Torgau, Zittau und Riesa zusammen zum Umzug in die Landeshauptstadt bewegen.
Angesichts des jetzt schon angespannten Wohnungsmarkts in den Großstädten und der nicht so recht zündenden Bauturbos mag mancher in Dresden das gelassen sehen und denken: Manchmal ist weniger eben doch mehr!
Thema des Tages
Sachsen verliert in den nächsten Jahren deutlich an Einwohnern
Sachsens Bevölkerungsentwicklung ist weiter rückläufig: Bereits im nächsten Jahr sinkt die Einwohnerzahl unter die Marke von vier Millionen. Bis zum Jahr 2045 werden alle zehn Landkreise sowie die Großstadt Chemnitz einen Rückgang verzeichnen. Das geht aus einer Berechnung des Statistischen Landesamtes hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.
Ende 2024 lebten rund 4,04 Millionen Menschen im Freistaat. Bis zum Jahr 2045 gehen die Landesamtsstatistiker in allen Modellen von einem deutlichen Minus aus. Die Experten haben dazu drei Varianten aufgestellt. Diese sagen Rückgänge zwischen etwas mehr als 8 und rund 15 Prozent voraus. Demnach leben 2045 zwischen rund 3,4 und 3,7 Millionen Menschen in Sachsen.
Meinung
Leipzig, aber auch Dresden ziehen Menschen an, während andere Regionen wie leer gefegt wirken. Der Staat kann zwar nicht überall alle Schulen, Praxen und Busse erhalten. Doch es gibt Rezepte für eine Erfolgsgeschichte.
Zum KommentarDrohte der Amokfahrer von Leipzig seine Tat an?
Vor seiner Amokfahrt gab es mehrere Drohungen von Jeffrey K. gegen seine ehemalige Lebensgefährtin und das soziale Umfeld. Dabei gab er auch mögliche Hinweise auf seine Tat. Das bestätigte die Polizei gegenüber LVZ und SZ.
Am 4. Mai steuerte K. sein Auto in eine Leipziger Fußgängerzone. Zwei Menschen starben, sechs wurden verletzt. Wochen vorher soll K. in einer Nachricht geschrieben haben: „… dann ist auch lange kein Auto mehr in Menschen gefahren“.
Die Polizei arbeitet die Umstände der Tat derzeit auf. Von Bedrohungen, die im Zusammenhang mit einer möglichen Amokfahrt stehen könnten, habe man vor der Tat nichts gewusst. Am Freitag beschäftigt sich der Innenausschuss mit dem Fall.
Leipziger Amokfahrt-Helfer schildert Einsatz
Der 43-jährige geduldete Asylbewerber Akrem A. unterstützte in Leipzig entscheidend die Festnahme des Amokfahrers Jeffrey K. Nach dessen tödlicher Fahrt durch die Innenstadt, bei der eine Frau starb, versuchte der frühere Polizist aus Libyen vergeblich, die Fahrertür des Tatfahrzeugs einzutreten. Gemeinsam mit Taxifahrer Abderrahim T. und der Polizei überwältigte er den Fahrer. Akrem A. äußert tiefe Betroffenheit über das Opfer und dessen Tod.
Landtag berät zu Amokfahrt
Nach der tödlichen Amokfahrt in der Leipziger Innenstadt befasst sich der Sächsische Landtag am Freitag in einer Sondersitzung des Innenausschusses mit dem Vorfall. Welche Konsequenzen ziehen die Abgeordneten?
„Lückenlose Aufklärung hat Priorität“Ifo Dresden: Spritpreise belasten Arbeitnehmer nicht stärker
Das Ifo-Institut Dresden teilt mit, gestiegene Benzinpreise belasteten Arbeitnehmer wegen höherer Löhne nicht stärker als früher. Im April benötigte ein durchschnittlicher Arbeitnehmer etwa 5 Minuten Arbeit für einen Liter Benzin. In den vergangenen 35 Jahren lag dieser Wert zwischen 3 und 6 Minuten. Haushalte mit geringem Einkommen leiden allerdings am stärksten unter den Preisanstiegen. Die Wirkung des Tankrabatts in Sachsen bleibt fraglich.
Probeabstimmung
Wir wollen von Ihnen wissen: Das ifo-Institut in Dresden hat analysiert, dass die Spritpreise Arbeitnehmer nicht zusätzlich belasten. Stimmen Sie zu? Das Ergebnis der Abstimmung lesen Sie am Montag im Newsletter.
Stimmen Sie hier abSachsen will Asylverfahren beschleunigen
Die Flut von Asylklagen ist seit vielen Jahren für die Verwaltungsgerichte in Sachsen eine große Belastung. Je nach Entwicklung der Flüchtlingsströme dauern die gerichtlichen Verfahren über Asylbescheide durchschnittlich anderthalb Jahre. Das soll sich künftig ändern. Ab 12. Juni sollen die Richter innerhalb von sechs Monaten über die Rechtmäßigkeit eines Asylbescheides entscheiden. Sachsen will an diesem Freitag in der Länderkammer beantragen, dass Asylklagen grundsätzlich von Einzelrichtern entschieden werden. Weitaus umstrittener ist im Bundesrat die Forderung, Proberichter ab dem Tag der Ernennung als Einzelrichter einzusetzen.
Wie häufig kommt das Hantavirus in Sachsen vor?
In Sachsen traten 2025 fünf Infektionen mit dem Hantavirus auf, 2024 sechs Fälle. Das Sozialministerium berichtet von stationären Behandlungen wegen Nierenfunktionsstörungen. Infektionen erfolgen meist über Nagetierausscheidungen. Eine 44-jährige Leipzigerin erkrankte 2024 nach Kontakt mit infizierten Farbratten, die getötet werden mussten. Das Hantavirus ist derzeit durch den Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff besonders im Fokus.
Vorige Probeabstimmung: Ihr Votum
Wir hatten Sie gefragt, ob Sie sich nach der Amokfahrt in Leipzig mehr Sicherheitsmaßnahmen in Sachsens Innenstädten wünschen. 31 Prozent sagen Ja, 66 Prozent sagen Nein.
Köpfe
Schlagzeilen
Termine
Vox Populi
Ein Besuch in der Riesaer Innenstadt endet für eine Zeithainerin mit einem Strafzettel. Sie kann sich das nicht recht erklären. Das Rathaus schon – und macht die Parkscheibe verantwortlich. Was ein Verkehrsexperte zu dem Fall sagt.
Meine Extra-Empfehlungen
Politische ESC-Gewinnerin: Die Sängerin Nicole gewann 1982 mit „Ein bisschen Frieden“ den Eurovision Song Contest. In der Sendung „Zwischentöne“ erinnert sie sich nicht nur an diesen Erfolg, sondern auch an ihr Gastspiel 1986 im Dresdner Hygienemuseum und daran, wie sie jene Lieder sang, die von der DDR-Führung vorab als politisch brisant eingestuft worden waren: Deutschlandfunk.
Die Amokfahrt in Leipzig: Wie geht Leipzig mit dem um, was am Montagnachmittag geschehen ist? Wie haben auch jene Menschen die Amokfahrt erlebt, die alarmiert wurden: zum Helfen, aber auch zum Berichten? Das hat neben dem Leipziger Branddirektor Axel Schuh als Vertreter der Rettungskräfte auch LVZ-Chefredakteurin Hannah Suppa in einer Diskussionsrunde im MDR-Fernsehen geschildert: Fakt ist! aus Dresden.
Fehlender Wohnraum in der Stadt: Warum beklagen viele Menschen in Großstädten mangelnden (bezahlbaren) Wohnraum, aber es tut sich wenig? Dem ist das Team der „Systemfragen“ nachgegangen: Deutschlandfunk.
Wir wünschen Ihnen einen schönen Freitag. Bis Montag, Ihre
Franziska Höhnl
Sie haben Themen, Informationen, Dokumente, zu denen Sie eine Recherche für sinnvoll erachten? Oder sonstige Anregungen, wie wir diesen Newsletter für Sie noch wertvoller machen können? Wir freuen uns über Post von Ihnen an politikinsachsen@rnd.de.
In dieser Ansicht können leider nicht alle Inhalte korrekt dargestellt werden.
Zur vollständigen AnsichtAbonnieren Sie auch „Politik zum Mitreden“: Die Politik erzählt nur die halbe Wahrheit? Wir ergänzen die andere Hälfte! Erhalten Sie jeden Donnerstag Einblick in das Geschehen im Regierungsviertel.