„Langes Warten muss ein Ende haben“

Niedersachsens Gesundheits­minister will Termin­garantie beim Fach­arzt binnen vier Wochen

Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD).

Hannover. Patienten sollen demnächst schneller einen Termin beim Facharzt bekommen, indem sie zuerst zum Hausarzt gehen – diesen Plan der Bundesregierung unterstützt Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi. „Das lange Warten auf einen Facharzttermin muss ein Ende haben“, sagte der SPD-Politiker, der dieses Jahr den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz innehat, der Deutschen Presse-Agentur.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Unser Ziel ist es, dass Haus- und Kinderärzte Patientenströme besser steuern und an Fachärzte übermitteln – mit der Garantie, innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin zu bekommen“, erklärte der Minister. „Wenn dies länger als vier Wochen dauert, sollen die Patientinnen und Patienten einen Termin im Krankenhaus bekommen.“ Ausgenommen wären Gynäkologen und Augenärzte.

Der Koalitionsvertrag von Union und SPD im Bund, den Philippi mit ausgehandelt hat, spricht in dem Zusammenhang von einer Termingarantie.

Stadt-Land-Gefälle: So unterschiedlich lang warten Patienten auf Facharzttermine

Deutschlands alternde Bevölkerung trifft auf eine Ärzteschaft mit Nachwuchssorgen – mit Folgen für Patienten: Wer einen Termin beim Facharzt braucht, wartet oft Wochen oder Monate.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Philippi: Deutsche gehen öfter zum Arzt als Skandinavier

Der Minister will außerdem die Arztkontakte von chronisch Kranken reduzieren, denen es ansonsten gut geht. „Wenn jemand zum Beispiel Bluthochdruck hat und regelmäßig Tabletten braucht, dann muss er bisher jedes Quartal zum Arzt. Das kostet Zeit. Hausärzte sollten die Tabletten künftig per Jahresverordnung verschreiben können“, sagte er.

Die Menschen in Deutschland gingen im Schnitt drei bis vier Mal häufiger zum Arzt als in Schweden oder Dänemark. Das hänge mit der Steuerung der Patientinnen und Patienten zusammen. „Viele Krankheitsbilder, die auch digital per Telemedizin gelöst werden können, finden hier immer noch im persönlichen Kontakt statt“, sagte Philippi.

In Dänemark etwa komme es bei leichten bis mittleren Beschwerden erst zum persönlichen Austausch, wenn die Schmerzen länger anhielten oder die empfohlenen Medikamente nicht zu einer Besserung führten. „Das führt dazu, dass die Praxen und Notfallambulanzen dort nicht so voll sind wie bei uns.“

KI-Analyse von Beschwerden? „Das spart viel Zeit“

Philippi richtete auch einen Appell an die Ärzteverbände: Es wäre gut, wenn diese sich trauen würden, die Möglichkeiten der digitalen Anamnese stärker zu nutzen, sagte er. „Es gibt Algorithmen, mit denen Beschwerden angegeben und dann über KI-gesteuerte Anamnesebögen sehr genau herausgefiltert werden können.“ Das zeige, ob ein Besuch in einer Praxis wirklich erforderlich sei. „Das spart den Ärztinnen und Ärzten viel Zeit“, sagte Philippi.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

RND/dpa

TZ Inhalte als bevorzugte Quelle markieren — dann erscheinen unsere Artikel häufiger in Ihren Google-Schlagzeilen.Inhalte in den Google-Schlagzeilen bevorzugen?
Bevorzugen