Kommentar

Gemeinwohl in Leipzig: Es darf nicht bei einem gut gemeinten Signal bleiben

LVZ-Chefredakteurin Hannah Suppa erhofft sich von einem Runden Tisch Gemeinwohl, dass diejenigen, die daran Platz nehmen, den Worten Taten folgen lassen.

Leipzig. Ein Signal sollte es sein. Aus der Stadt, die die friedliche Revolution brachte. Aus der Stadt, die für die Kraft der Gesellschaft steht wie wenige andere. Mit der historischen Referenz des Runden Tisches und einer durchaus ambitionierten Idee waren Oberbürgermeister Burkhard Jung, Gemeinwohl-Experte Timo Meynhardt und die Kirchen gestartet – und haben tatsächlich alle Akteure der Stadt, die das Miteinander durchaus prägen könnten, an einen Tisch gebracht. Das ist erst mal eine Leistung, die sicher nicht in jeder Stadt so funktioniert hätte.

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Klar ist: Diese Stadt hat Institutionen, denen nicht nur ihr eigenes Wohl, sondern auch das der Menschen in der Stadt eine Herzensangelegenheit ist. Und die das auch schriftlich festhalten, sodass sie sich daran messen lassen müssen. Was für ein Pfund!

Auf Einsatz eines jeden kommt es an

Doch reicht diese Erkenntnis und ihre zuweilen etwas verkopfte Verlautbarung, um nachhaltig etwas zu bewirken? Und was könnte man überhaupt bewirken, wenn man wollte? Es ist ja nicht so, dass es nicht bereits Tausende Menschen in unserer Stadt gäbe, die Gutes für andere tun, die ehrenamtlich arbeiten, die umsichtig sind mit denen in ihrer Umgebung. Die ihre Interessen nicht ausschließlich über die anderer stellen.

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Was könnte sich im Gemeinwohl in der Stadt verbessern? Ein paar Gedanken: Es braucht weniger Gegeneinander bei den Fragen des Umbaus der Innenstadt hin zu einer City, die das Auto nicht als Mittelpunkt sieht. Das heißt auch: Die Argumente aller anzuhören und zu debattieren – und Veränderungen gut zu kommunizieren. Was für die Verkehrswende gilt, muss auch die Maßgabe für alle Veränderungsdebatten sein. Ein gutes Miteinander lebt auch vom Einsatz eines jeden in seinem Möglichkeitsradius.

Es geht nicht nur um „mein Wohl“

Wenig kann da manchmal viel bewirken. Und seien es banale Selbstverständlichkeiten, wie den eigenen Müll aus dem Clara-Zetkin- oder Lene-Voigt-Park wieder mitzunehmen. Oder sich im Nachbarschaftsverein mit allen für ein besseres Miteinander in der eigenen Umgebung einzusetzen. Es geht eben nicht nur um „mein Wohl“, wie es der OBM einmal erläuterte.

Der Runde Tisch könnte diese Fragen moderieren, anstoßen und Menschen zusammenbringen. Mit Veranstaltungen, Diskussionen, sichtbaren Ideen und nachhaltig vernetzten Initiativen untereinander und darüber hinaus. Bisher ist es nicht mehr als ein gut gemeintes Miteinander großer Institutionen und ihrer Lenkerinnen und Lenker, die sich gegenseitig versichern, in ihrem Rahmen viel zu tun – dabei sollte es nicht bleiben. Sonst ist das Gegenteil erreicht.

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